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Männer im Wasser

Schöner schwimmen

Kinostart: 19.8.2010 | Christian Horn | Artikel drucken

Als Fredrik (Jonas Inde) und seine Kumpels – allesamt mittendrin in der Midlife Crisis – zum wöchentlichen Hockey-Training in der dafür angemieteten Sporthalle auflaufen, erleben sie eine böse Überraschung: Anstelle der alternden Männer soll hier nun eine Gruppe junger Frauen Hockey spielen. Ein spontanes Duell um das Vorrecht in der Halle können die weiblichen Eindringlinge klar für sich entscheiden – das auch noch! Als würde das Schicksal Fredrik nicht schon hart genug in die Mangel nehmen: Seine Ehe ist in die Brüche gegangen, das Verhältnis zur 16-jährigen Tochter problembehaftet und noch dazu hat er den Job als Sportredakteur verloren. Doch so schnell gibt ein Mann im besten Alter nicht auf. Aus einem Spaß bei einem Junggesellenabschied entwickelt Fredrik die Idee, seine Jungs bei der ersten männlichen Synchronschwimm-Weltmeisterschaft seit hundert Jahren an den Start zu bringen.

Männer im Schwimmbecken

Aber auch dieser Plan kann nicht reibungslos in die Tat umgesetzt werden. Abgesehen von den Bedenken der Freunde behindert der Stockholmer Schwimmverband den Weg des Amateur-Teams, da er männlichen Synchronschwimmern kein Trainingsbecken zur Verfügung stellen will. Es ist schließlich der Einsatz von Fredriks Tochter Sara (Amanda Davin), die für ein paar Wochen zwangsweise bei ihrem Vater wohnen muss, der den Männern doch noch eine Chance auf die Realisierung ihres kuriosen Vorhabens gibt. Die junge Frau, selbst Mitglied eines erfolgreichen Synchronschwimm-Vereins, macht eine Schwimmhalle ausfindig, in der die Männer üben können (während eine Etage tiefer ein Taucherlehrgang stattfindet), und bietet sich als Trainerin an.

Der schwedische Regisseur Måns Herngren interessiert sich im Folgenden nicht nur für die sportlichen Erfolge, Rückschläge und Zweifel der Männer, sondern auch für deren private Probleme. Im Zentrum steht hierbei die Beziehung zwischen Fredrik und Sara, die anfänglich von gegenseitigem Unverständnis geprägt ist. Da beide nun ein gemeinsames Ziel verfolgen und die Höhen und Tiefen auf dem Weg dorthin gemeinsam durchleben, entwickelt sich eine ganz neue, tiefere Bindung zwischen Vater und Tochter. Die Probleme von Fredriks Kumpels werden mehr am Rand verhandelt und hängen stark mit der Midlife Crisis zusammen: Eintönigkeit im Eheleben, der Kampf mit dem Bauchansatz oder die Angst vor dem Verlust der Männlichkeit spielen hier eine Rolle. Sein tragikomisches Potenzial bezieht "Männer im Wasser" – der in seiner Anlage stark an "Ganz oder gar nicht" (1997) von Peter Cattaneo erinnert – daraus, ohne jedwede Bloßstellung aus den Unsicherheiten, Fehltritten und skurrilen Eigenarten der Männer zu schöpfen, wobei Måns Herngren auf die charismatischen und gut besetzten Darsteller bauen kann. So wie Synchronschwimmen nur im Team realisiert werden kann, ist auch "Männer im Wasser" ein Ensemblefilm.

Schörkellose Unterhaltung

Die inszenatorische Umsetzung lässt den Darstellern dabei genügend Raum. Ohne Schnörkel, große Sensationen und forcierte Anteilnahme erzählt Måns Herngren seine Geschichte. Die unaufdringliche Gitarrenmusik von The Soundtrack of our Lives, die klar konzipierten Bilder und die zweckdienlich im Hintergrund bleibende Montage lassen "Männer im Wasser" zu einer kleinen, stillen Komödie werden, die mehr als alles andere von den Figuren lebt, nie langweilig ist und schnell voranschreitet, sich aber dennoch genügend Zeit zur Charakterisierung der Protagonisten nimmt. Sonderlich tiefgründig oder intellektuell ist "Männer im Wasser" dabei nicht, dafür aber ein humorvolles und warmherziges Stück Unterhaltungskino, das ohne Klamauk und abgegriffene Standards auskommt.

Im letzten Akt aber, als die Männer zur Meisterschaft nach Berlin aufbrechen, verliert Herngren ein wenig das richtige Maß. Die Vater-Tochter-Beziehung rückt zu einem Zeitpunkt in den Vordergrund, an dem die Zuschauer/innen lieber beim Team verweilt wären, dessen Chancen auf einen Triumph gar nicht so schlecht stehen. Das so elegante wie überraschende Ende bekommt aber die Kurve und besinnt sich wieder auf den Teamgedanken – dabei wäre es wirklich schön gewesen, noch ein wenig bei den sympathisch alternden Männern zu verweilen.

(Allt flyter) Deutschland, Schweden 2008, Regie: Måns Herngren, Buch: Brian Cordray, Jane Magnusson (Vorlage), mit Jonas Inde, Amanda Davin, Benny Haag, Jimmy Lindström, Kalle Westerdahl u. a., 100 min, Kinostart: 19. August 2010 bei Pandora

Fotos: ©Verleih

Christian Horn lebt in Berlin, studiert Literaturwissenschaft und Geschichte und schreibt als freier Autor über Filme.



maenner-im-wasser.pandorafilm.de
Website zum Film

www.filmportal.de
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