Space Tourists

Unendliche Weiten

Kinostart: 29.7.2010 | Andreas Resch
Doku: Die einen fliegen ins All, die anderen bleiben auf der Erde und sammeln Raketenschrott ein – Christian Frei hat einen ungewöhnlichen Film über die Raumfahrt gemacht.
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Als Stanley Kubricks Meisterwerk "2001 - A Space Odyssey" 1968 in die Kinos kam, ging der amerikanische Filmemacher davon aus, dass "Weltraumflüge im Jahr 2001 für jedermann eine Selbstverständlichkeit" sein würden. Ganz so weit ist es auch neun Jahre später noch nicht gekommen. Doch dass Kubricks Einschätzung nicht völlig ins Reich der Utopie zu verbannen ist, belegt "Space Tourists", ein großartiger, auf dem diesjährigen Sundance-Festival prämierter Dokumentarfilm des Schweizers Christian Frei.

In "Space Tourists" begleitet Frei ("War Photographer") mehrere angehende Weltraumtouristen/innen – ein Flug ins All mit einer russischen Sojus-Rakete kostet momentan läppische 20 Millionen Dollar – auf den ehemaligen sowjetischen Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan: eine riesige, weitgehend ausgestorbene Betonwüste, in der einst mehr als 150.000 Menschen beschäftigt waren. Mit dabei sind die amerikanische Unternehmerin Anousheh Ansari, die schon seit ihrer Kindheit davon träumt, ins All zu fliegen, und später auch Charles Simonyi, der das Textverarbeitungsprogramm Word entwickelt hat.

Ein zweiter Handlungsstrang, und das erzeugt einen herrlich absurden Kontrast, zeigt kasachische Raketenschrottsammler bei der Arbeit. Diese Menschen, ein ganzer Berufszweig ist da mittlerweile entstanden, wartet darauf, dass die so genannten Rüben – Teile der Raketen, die nach dem Start abfallen – auf der Erde landen. Das Metall, das von ihren Kunden in Dächer, Werkzeug oder ähnliche Gebrauchsgegenstände umfunktioniert wird, können sie dann verkaufen.

Faszinierend ist es aber vor allem, den Weltraumtouristen/innen bei ihren Vorbereitungen auf die Reise zuzuschauen: bei Gravitationstests, beim Survival-Training oder beim Austesten, welches Nahrungskonzentrat eigentlich am besten schmeckt. Wenn dazu mehrere weiß bekittelte ältere Damen mit seltsamen Pröbchen kommen und sich kryptische Notizen machen, fühlt man sich an Woody Allens pseudo-futuristische Science-Fiction-Groteske "Der Schläfer" (1973) erinnert. Es sind diese genauen Einblicke, die den Film so faszinierend machen. Zwar kann man Anousheh Ansari im weiteren Verlauf auch noch auf ihre Reise ins All begleiten, doch in der Erinnerung bleiben die seltsam-fremden Bilder aus Baikonur ungleich präsenter.
Andreas Resch

Space Tourists, Dokumentarfilm, Schweiz 2009, Buch & Regie: Christian Frei, mit Anousheh Ansari, Jonas Bendiksen, Dumitru Popescu, Charles Simonyi u. a., OmU, 98 min, Kinsotart: 29. Juli 2010 bei Kool Filmdistribution

Foto: NASA/Verleih

 


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www.space-tourists-film.com
Website zum Film (englisch, deutsch, französisch)
www.koolfilm.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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