Kleine Wunder in Athen

Stavros, der Grieche

Kinostart: 22.7.2010 | Andreas Resch
Slacker-Komödie: Stavros und seine alternden Kumpel hängen ab, bemitleiden sich und schimpfen über Albanier – dabei könnte Stavros selbst einer sein.
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Endlich weiß man, warum der amerikanische Filmemacher Kevin Smith nach seinem großartigen Debüt "Clerks" (1994) aufgehört hat, gute Filme zu drehen: Sein Geist ist in den Körper des griechischen Regisseurs Filippos Tsitos eingefahren! Dessen wundervoll trockene Slacker-Komödie "Kleine Wunder in Athen“ um einen alternden Schwerenöter, dessen Mutter nach einem Schlaganfall plötzlich anfängt, Albanisch zu sprechen, ist jedenfalls ein zutiefst Smitheskes Meisterwerk des skurrilen Alltagshumors. An wenigen, stets wiederkehrenden Schauplätzen situiert, erzählt der Film die Geschichte eines Mannes, der seine Identität verliert und einen Bruder findet.

Stavros betreibt einen Kiosk in der Athener Innenstadt. Seine Tage plätschern relativ ereignislos dahin, abgesehen von gelegentlichen Straßenfußballspielen mit seinen Kumpels passiert nicht viel. Er kümmert sich um seine alte Mutter und trauert einer verlorenen Liebe hinterher. So könnte es eigentlich ewig weitergehen, doch eines Abends, als Stavros nichts ahnend nach Hause kommt, sitzt ein fremder Mann, der auch noch Albaner ist – und Albaner kann Stavros überhaupt nicht leiden – an seinem Tisch. Zu allem Überfluss behauptet seine Mutter auch noch, dieser Mann sei sein Bruder. Was folgt, ist eine langsame Annäherung der beiden ungleichen Männer, die einander eigentlich nicht sonderlich gut leiden können, jedoch einen Weg finden müssen, irgendwie mit der Situation umzugehen.

Im Original heißt Filippos Tsitos' Film "Akadimia Platonos", benannt nach jenem Athener Viertel, in dem die Geschichte spielt. Gleichzeitig verweist der Titel natürlich auf die Platonische Akademie und Stavros und seine Freunde sind in ironischer Umkehrung des antiken Vorbilds Alltagsphilosophen, denen keinesfalls daran gelegen ist, zu neuen Erkenntnissen vorzudringen. Was den Film neben dem schrägen Humor so gut sein lässt, ist die Nonchalance, mit der hier auf amüsante Weise, quasi nebenbei, Probleme im Spannungsfeld von Globalisierung und Provinzialismus verhandelt werden. Zudem geht es um die Frage, was einen Menschen im Kern ausmacht. Kann ein Mensch akzeptieren, dass er möglicherweise sein Leben lang ein anderer gewesen ist?
Andreas Resch

(Akadimia Platonos) Griechenland, Deutschland 2009, Regie: Filippos Tsitos, Buch: Alexis Kardaras, Filippos Tsitos, mit Antonis Kafetzopoulos, Anastas Kozdine, Titika Saringouli, Giorgos Souxes u. a., OmU/DF, 107 min, Kinostart: 22. Juli 2010 bei Neue Visionen

Foto: Verleih

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www.kleinewunderinathen.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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