Micmacs - Uns gehört Paris!

Eine Art Märchen

Kinostart: 22.7.2010 | Cristina Moles Kaupp
Komödie: Jean-Pierre Jeunet lässt eine Hand voll skurriler Außenseiter/innen gegen die Waffenindustrie antreten.
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Geschichten, in denen dank Zauberei alles möglich ist, sind langweilig. Wohl ein Grund, weshalb der französische Regisseur Jean-Pierre Jeunet ("Delikatessen", "Die fabelhafte Welt der Amélie") kurzerhand die Regie des fünften Harry-Potter-Films ablehnte. Respekt! Denn mit diesem Wurf wäre Jeunet versorgt gewesen bis zum Ende seiner Tage. Nun, auch das kann langweilig sein. Stattdessen stürzte sich Jeunet in ein eigenes Projekt: "Micmacs - Uns gehört Paris". Auch eine Art Märchen, doch voller Widerstände und kreativer Lösungen: Eine bunte Gruppe von Außenseitern/innen beschließt, zwei Waffenhändler in ihre Schranken zu verweisen. Eine tollkühne Idee, wie geschaffen für unsere in Kriegen erstarrte Welt.

Doch Jeunet wäre nicht Jeunet, würde er seine Geschichte sozialkritisch grell auf die Leinwand pinseln. Also taucht er das Ganze in die warme Farbaura seiner bisherigen Filmwelten, die an Rummelplätze, Freakshows und Comic-Szenarien erinnert. Dieses Mal hat er liebenswert verschrobene Charaktere auf einem Pariser Schrottplatz angesiedelt, einem Zufluchtsort für wahre Outlaws. Menschen wie Bazil, dem das Schicksal übel mitspielte. In seinen Kindertagen zerfetzte eine Landmine in Nordafrika seinen Vater, die Mutter wurde darüber wahnsinnig und Bazil kam in ein Waisenhaus. Jahre später hat er sich als Videothekar vor der Realität verkrochen. Ein nächtlicher Schusswechsel wird ihn vor die Tür seines Ladens locken, wo ihn ein Blindgänger zwischen den Augen erwischt. Leben mit einer Kugel im Kopf? Immer noch besser als Totalverblödung nach einer Operation. Basils bisheriges Leben ist dennoch verloren. Kein Job, keine Wohnung, kein Geld. Die Verursacher seiner Schicksalsschläge sollen nun bluten. Schnell sind sie ausgemacht: die Waffenhersteller der Kugel und der Landmine. Und schnell sind auch tatkräftige Freunde/innen gefunden: die Gang vom Schrottplatz, die so unglaublich talentiert wie verschroben ist.

Ein typischer Jeunet-Film also, ausgetüftelt bis ins letzte Detail, gespickt mit Filmzitaten und Selbstreferenzen und überdies spannend besetzt; Dany Boon (zuletzt gesehen als Postbeamter in dem Komödien-Hit "Willkommen bei den Sch'tis") füllt mühelos die Schrulligkeit Bazils. Schrottkunst wird genial funktional durch Jeunets Bastelleidenschaft, schnell bündeln sich brillante Einfälle und alles funkelt wie in einem Riesenzirkus. Schade nur, dass Jeunet sich bisweilen an den eigenen Einfällen verhebt und einige Fäden im Dickicht der Geschichte verliert. So markant er als Erzähler, Regisseur und Magier längst geworden ist, seine Bilder erreichen in "Micmacs" einen zu schnellen Sättigungswert.
Cristina Moles Kaupp

(Micmacs à tire-larigot) Frankreich 2009, Regie: Jean-Pierre Jeunet, Buch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant, mit Dany Boon, Dominique Pinon, André Dussollier, Yolande Moreau, Jean-Pierre Marielle u. a., 104 min, Kinostart: 22. Juli 2010 bei Kinowelt

Foto: Verleih

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www.micmacs-lefilm.com
Website zum Film (französisch)
www.micmacs.kinowelt.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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