Was tun, wenn der schöne Freund doch ein bisschen zu großspurig und auch irgendwie zu jung und unreif für einen ist? Das fragt sich Meike auch ziemlich lange. Schließlich ist sie ja eigentlich in Lukas verliebt und sie haben viel Spaß miteinander. Doch der nimmt es nie so genau mit den Jobs und der gemeinsamen Zukunftsplanung, geschweige denn mit der Treue. Meike hat sich sein Chaos also eigentlich schon zu lange angeschaut und eben auch mitgetragen. Sie finanziert die schöne Wohnung, er wohnt hier und genießt. Die Kumpels, das Image, die Konkurrenz mit dem großen Bruder – all das sind die Dinge, die Lukas interessieren. Für die meisten schwierigen Situationen hat er sein breites Strahlemanngrinsen parat. Als Meike dann aber eine Geschlechtskrankheit bekommt, von der keiner so genau weiß, woher und wieso, gerät die Beziehung immer mehr ins Wanken. Noch im Krankenhaus trennt sie sich von Lukas.
Von da an befindet sich Lukas zwischen Familie, Jobs und Flirts auf vielen Irrwegen, und dennoch – er lässt sich nie unterkriegen. Und auch wenn er so selbstgefällig und großspurig daherkommt, seine Art, sich dennoch irgendwie durchzuschlagen, seine Selbstzweifel und seine Selbstsuche machen ihn den Zuschauern/innen nach und nach immer sympathischer. Man sieht, dass da einer lernt und nur einfach noch nicht so genau weiß, wie und wohin. Und auch, dass es ihm leid tut. Doch das Wichtigste ist – er lernt sich zu entschuldigen und dranzubleiben und geht dennoch nicht mehr davon aus, etwas geschenkt zu bekommen. Vielmehr lernt er nach und nach auf eigenen Füßen zu stehen und schafft so immerhin eine zarte freundschaftliche Versöhnung mit Meike.
Regisseur Bartosz Werner ("
Preußisch Gangstar") hat eine wunderbare Coming-of-Age-Geschichte erzählt, die nie in die Fallen des Klischees tappt und einen vielschichtigen und zerrissenen Protagonisten zeigt, der trotz aller Kritisierbarkeit auch eine gewisse Liebenswürdigkeit offenbart. Denn eines lernt Lukas nach und nach: Sich einen Zacken aus der Krone brechen kann nur, wer eine hat.
Tina Hedwig KaiserUnkraut im Paradies, Deutschland 2009, Buch & Regie: Bartosz Werner, mit Remo Schulze, Klara Manzel, Charly Hübner, Charlotte Chrome, Bo Hansen u. a., 85 min, Kinostart: 22. Juli 2010 bei alpha medienkontor
Foto: Verleih
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