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Endlich sollen es alle wissen! Endlich soll seine Familie die ganze Wahrheit erfahren! Dass Tommaso im fernen Rom mit seinem Freund zusammenlebt und dass er nicht Betriebswirtschaft studiert hat, sondern sich (noch) erfolglos als Schriftsteller versucht. Deshalb will er auch nicht zusammen mit seinem Bruder Antonio das Pasta-Familienunternehmen übernehmen, sondern sich outen und sein eigenes Leben leben. Als Zeitpunkt für sein Coming-out, so erzählt er es auch Antonio, hat er sich das feierliche Abendessen ausgesucht, an dem die beiden dem neuen Geschäftsteilhaber vorgestellt werden sollen. Doch als Tommaso ansetzt, passiert das Unvorhersehbare: Ausgerechnet sein Bruder kommt ihm mit einem Coming-out zuvor, worauf der Vater, der einen Herzinfarkt erleidet, seinen Sohn verstößt. Um das Familienoberhaupt zu schonen, muss Tommaso also erst mal der Hetero-Sohn bleiben und nicht nur damit klarkommen, dass sich die Tochter des Pasta-Firmen-Teilhabers in ihn verliebt.
Während Ferzan Özpetek in Form der Familienkomödie von folgenreichen Entscheidungen, schwierigen Verantwortungen und großen Geheimnissen erzählt, lässt sein Blick auf die italienische Institution der Familie und südländisches Machismo durchaus so manch einen Seitenhieb zu. Zu Fall bringt sie der türkischstämmige Regisseur jedoch nicht. Schließlich mag Özpetek nicht nur seine schwulen Protagonisten, sondern hat selbst für einen Charakter wie den patriarchalen, um den Familienruf bangenden Vater in all seiner Hilflosigkeit zumindest noch ein Fünkchen restsympathisches Verständnis.
Nicht immer mag das gänzlich frei von Stereotypen sein, doch der grausam deutsch betitelte "Männer al dente" entwickelt seine Qualitäten letztlich vor allem durch das, was er vermeidet: Mit lichtdurchflutet bilderbuchitalienischem Flair und einem tollen Ensemble sucht er nicht die offensichtlichen, billigen Pointen und muss auch nicht jedes Drama zugespitzt zur tränenreichen Aussprache bringen. Es bleibt stattdessen einiges unausgesprochen und bis zum Schluss zwischen den Zeilen schwingend, während sich die so aufrichtige wie herzliche Komödie mit sommerlicher Leichtigkeit in ein Rundherum-Chaos der Gefühle stürzt.
Sascha Rettig
(Mine Vaganti) Italien 2010, Regie: Ferzan Ozpetek, Buch: Ferzan Ozpetek, Ivan Cotroneo, mit Riccardo Scamarcio, Nicole Grimaudo, Alessandro Preziosi, Ennio Fantastichini, Lunetta Savino u. a., 112 min, Kinostart: 15. Juli 2010 bei Prokino
Foto: Verleih
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