Image 26236
20 Jahre nach "Überleben in New York", einem Film über das Leben und das Abstrampeln dreier junger deutscher Frauen in der immerwachen Stadt, hat Rosa von Praunheim zwei von ihnen – die dritte ist inzwischen aus New York weggezogen – besucht und mit "New York Memories" nun eine Langzeitstudie aus seinen Momentaufnahmen gemacht: Die ehemalige Striptänzerin und Studentin hat – damals noch im Table Dancing Etablissement – den Mann fürs Leben getroffen und sitzt nun mit ihm friedlich mit Roséwein und der New York Times auf dem Dach ihrer Wohnung in Harlem. Die andere lebt mit ihrer Frau fürs Leben mitten in Manhattan, weil ihre Wohnung erstaunlicherweise bislang von der Gentrifizierung verschont wurde, und findet nicht alles schlecht, was Rudolph Giuliani angeregt hat. Von Praunheim besucht seinen damaligen Kameramann, dessen Sohn als Mädchen auf die Welt gekommen ist, aber seine Transidentität bereits mit 12 Jahren deutlich formulieren konnte. Und er trifft sich mit den beiden Töchtern eines deutschen Dramatikers, seines ehemaligen Hausnachbarn, die inzwischen hübsche junge Damen geworden sind und das Leben als jetsettende Töchter in vollen Zügen genießen. Dazwischen schlendert er, mal wehmütig, mal nachdenklich, durch die Straßen, vergleicht, erinnert sich, schneidet altes Material hinein: Mensch, Big Apple, wie haste dir verändert.
Vor allem in dokumentarischen Filmen von Rosa von Praunheim kommt der Regisseur, Dozent und Aktivist von Praunheim oft sichtbar vor, er handelt, er kommentiert – er schafft sich seine eigene Bühne, auf der die Figur Rosa von Praunheim sich vor dem Publikum im Kreise drehen kann. Das ist egozentrisch, aber auch entwaffnend: Ehrlicher und berührender als andere Dokumentarfilmer, die stets unsichtbar hinter ihren Objekten bleiben, werden vor allem seine Dokumentarfilme zu faszinierenden und höchst privaten Zeugnissen vom Dasein anderer. Weil er selbst blank zieht, tun das auch die anderen, weil er selbst den ersten Schritt macht, gehen die Porträtierten mit. So ist New York Memories trotz Videobildqualität, trotz offensichtlicher Kommentierungen durch Schnitt und Wort und trotz vermutlichem Kleinstbudget ein warmherziger und spannender Einblick in ganz verschiedene Leben geworden, die eine Leidenschaft teilen: They love New York.
Jenni Zylka
New York Memories, Dokumentarfilm, Deutschland 2010, Regie: Rosa von Praunheim, Buch: Rosa von Praunheim, Anna Steegmann, 89 min, Kinostart: 15. Juli 2010 bei Basis
Foto: Verleih
www.basisfilm.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film
Kommentare
Dein Kommentar