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Über drei Jahrzehnte war sie ein weißer Fleck der weltpolitischen Landkarte und verschrien als unheimlicher Ort – die Colonia Dignidad. Tief unten im fernen Chile hatte der Deutsche Paul Schäfer die Kolonie 1961 gegründet und sein urchristliches Paradies zum Hochsicherheitsgefängnis ausgebaut. Unter dem strengen Regime ihres Sektenführers lebten die aus Deutschland zugezogenen Familien abgeschottet von der Außenwelt. Für ihre Unterstützung des chilenischen Militärputsches von 1973 erhielt die Kolonie diplomatischen Schutz – eine Diktatur in der Diktatur. Dass die Pinochet-Junta hier Regimegegner foltern und töten ließ, galt als gesichert. Erst nach der Auflösung Anfang der neunziger Jahre enthüllte sich der wahre Charakter des Menschenexperiments: Religiöse Gehirnwäsche, Elektroschockfolter und die Vergewaltigung der systematisch von ihren Familien getrennten Koloniekinder waren an der Tagesordnung. Die gesamte Anlage diente nicht zuletzt der Befriedigung von Schäfers pädophilen Neigungen.
Dass die Menschen noch immer hier leben und leben wollen, mag man kaum glauben. Die Filmemacher Martin Farkas und Matthias Zuber nähern sich ihnen sehr behutsam und vorurteilsfrei, beobachten sie bei der Pflege ihrer Vorgärten oder beim Erlernen ein paar erster Brocken Spanisch. Erst die Erzählung von Opfern und Tätern enthüllt die erschreckenden Hintergründe eines kollektiven Traumas. Tatsächlich gleichen sich die Worte. Beide Seiten, betreut von Psychotherapeuten/innen und evangelischen Seelsorgern/innen, sprechen von Schuld und Scham; die Wut der heute erwachsenen Opfer wirkt noch immer seltsam gedämpft, ihre früheren Peiniger, freundliche alte Herren mit bedächtiger Wortwahl, finden trotz aller Selbstzweifel noch immer Ausflüchte. Man habe so vieles nicht gewusst, und alles in allem war es doch "auch eine gute Zeit".
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