The Doors: When You're Strange

Tragischer Popstar

Kinostart: 1.7.2010 | Thomas Winkler | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Von all den berühmten Rock'n'Roll-Toten, die anfielen, als die 1960er-Jahre zuende gegangen waren, beschäftigt vor allem Jim Morrison bis heute die Nachwelt. Über Jimi Hendrix oder Janis Joplin gibt es lange nicht so viele Bücher, Spielfilme oder eben Dokumentationen. Bislang hat aber noch kaum jemand so schlüssig dargestellt, warum gerade Morrison und seine Band, The Doors, bis heute so faszinierend sind: Tom DiCillo gelingt mit "The Doors - When You're Strange" nicht nur eine anschauliche Zeitreise in eine aufregende Ära, nicht nur ein einfühlsames Psychogramm einer rätselhaften Persönlichkeit, sondern vor allem auch das Abbild einer Gesellschaft, die ihre Helden zuerst zu Göttern erhebt, um sie später umso genüsslicher abstürzen zu sehen.

Jim Morrison durchlief diesen Karriereverlauf als erster in der Popgeschichte geradezu systematisch. Niemand zuvor verband Sex und Provokation so erfolgreich. So wurde Morrison, so die These des Films, zum ersten tragischen Popstar – und damit zum Prototyp für Robbie Williams, Amy Winehouse, Pete Doherty und wie sie alle heißen.
Dazu verzichtet DiCillo systematisch auf die üblichen Unansehnlichkeiten des Dokumentarfilms. Statt langweilige Experten vor Bücherwänden ins Bild zu rücken, bastelt er aus zeitgenössischem Material, Nachrichtensendungen, Konzertauftritten und Spielfilm-Szenen ein schillerndes Panorama der aufregenden sechziger Jahre und ihrer gesellschaftlichen Umwälzungen. Dass er dabei manche historische Aufnahme suggestiv einsetzt, den von Johnny Depp gesprochenen Off-Kommentar mit aus dem Zusammenhang gerissenem Material scheinbar stützt, mag eine dokumentarisch zweifelhafte Methode sein. Doch DiCillo, der bisher ausschließlich Spielfilme drehte (darunter den großartigen "Living In Oblivion"), schert sich darum wenig. Er bemüht sich um historische Korrektheit nur so weit, wie sie seiner Absicht genügt: ein aussagekräftiges, unterhaltsames Porträt einer ganzen Generation zu zeichnen.
Thomas Winkler

(When You're Strange) Dokumentarfilm, USA 2009, Buch & Regie: Tom DiCillo, OF, 86 min, Kinostart: 1. Juli 2010 bei Kinowelt

Foto: Verleih


whenyourestrangemovie.com
Website zum Film (englisch)
www.whenyourestrange.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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