Altiplano

Schleichendes Gift

Kinostart: 24.6.2010 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Sonne und Mond sitzen auf einem Dorfplatz in den peruanischen Hochanden. Sie warten darauf, dass die Madonnenstatue des Ortes endlich wieder zusammengeflickt ist. Erst dann dürfen sie ihre Masken wieder absetzen. Sonst würde vielleicht noch mehr Unglück geschehen, als ohnehin bereits das Dorf heimgesucht hat. Viele hier verlieren plötzlich ihr Augenlicht oder sterben einfach. So wie Saturninas (Magaly Solier aus "Milk of Sorrow") Verlobter Ignacio (Edgar Quispe), der beim Holen des heiligen Wassers, seiner Brautgabe, entkräftet umfällt. Seine Schwäche hat auch zuvor die Madonnenstatue bei der Prozession zu Fall gebracht, die direkt neben einer Quecksilberlache aus den nahen Goldminen der weißen Gringos landet. Für Saturnina ist klar, dass die silbrige Flüssigkeit aus den Minen, die überall verstreut liegt, daran Schuld ist. Auch die ausländischen Ärzte können da nichts ausrichten. Unter ihnen ist der Augenarzt Max (Olivier Gourmet), der für diesen humanitären Einsatz schweren Herzens seine schwermütige Frau Grace (Jasmin Tabatabai) in Belgien zurücklassen musste. Diese hat ihren Job als Kriegsfotoreporterin aufgegeben, nachdem sie die Tötung ihres irakischen Assistenten mit ansehen musste, wofür sie sich verantwortlich macht. Bei einem Aufruhr im Dorf wird Max getötet, und Grace beschließt, dorthin auf Spurensuche zu gehen.
Wie bereits in ihrem Vorgänger "Khadak" (2006) arbeitet das Regieduo Brosens & Woodworth mit opulenten Landschaftsaufnahmen und symbolischen Überhöhungen. Bildgewaltig (Kamera Franciso Gózon) und mit Anleihen an den lateinamerikanischen magischen Realismus erzählen sie von der schleichenden Zerstörung des Anden-Indiovolkes, das der rücksichtslosen Ressourcengewinnung durch ausländische Investoren zum Opfer fällt, und am Rande von Grace' Trauerreise. Da stehen unheimliche Maskenmänner vor traumhafter Bergkulisse, während sich Ignacio durch die Bergebene quält, Saturnina taucht als Geist auf. "Altiplano" zeigt starke Charaktere. Aber es sind vor allem die Bilder, die den Film zu einem optischen Genuss machen, obwohl sich manche Bildsymbole nicht jedem erschließen mögen und die Handlung mitunter konfus wirkt. Dass Grace am Ende der Reise wieder zu sich findet, ist dabei Nebensache.
Ingrid Beerbaum

(Altiplano) Belgien, Deutschland, Niederlande 2009, Buch & Regie: Peter Brosens, Jessica Hope Woodworth, mit Jasmin Tabatabai, Magaly Solier, Olivier Gourmet, Behi Djanati Atai, Edgar Alcides Condori u. a., 105 min, Kinostart: 24. Juni 2010 bei farbfilm

Foto: Verleih


www.altiplano-derfilm.de
Website zum Film
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)