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Hanni & Nanni

Zwei alte Zöpfe

Kinostart: 17.6.2010 | Petra Bäumer | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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So manche Anhängerin der Hanni-und-Nanni-Bücher blättert heute durch schon vergilbte Seiten mit matten Tusche-Illustrationen. Deshalb ist die aktuelle Verfilmung von Enid Blytons Internats-Reihe auch nur scheinbar in der Jetztzeit angesiedelt – saftig für die Gegenwart entschlossen hat sich Regisseurin Christine Hartmann nicht. Emanzipierter, wenn man so will, als die Originale aus den 1940er-Jahren sind die Hauptprotagonistinnen – die Zwillinge Hanni und Nanni – indessen schon. Vom wilden Berlin wegen ihrer Eskapaden ins ehrwürdige Internat strafversetzt, fällt beiden selbst auf, dass das romantische Burggemäuer Ähnlichkeit zu Hogwarts aufweist. Und ganz richtig: Etwas Rückzugs-Romantik musste mit rein. Und so wird die Strafaufgabe in der Waschküche natürlich mit Waschbrett erledigt.

Wie die Zeichnungen in den Büchern gleichen auch die erwachsenen Figuren Karikaturen. Katharina Thalbach gibt als Französisch-Lehrerin eine wirre Mireille Matthieu, während Hannelore Elsner die Internatsleiterin ausgeruht-weise als das geballte Gute verkörpert. Wer Angst vor quietschigen Kinderfilmen hat, darf beruhigt werden, so schlimm wird's nicht: Verwechselspiele, Hockey, Pferde, Freundinnen und sogar klassische Musik. Hindurch schimmert ein kleiner elitärer Traum in Schuluniform – allerdings von einer sozialen Botschaft gebremst. Geld spielt im Lindenhof keine Rolle, fast karitativ wird jedes Mädchen aufgenommen. Aber gut: Es ist ein Kinderfilm, besser Mädchenfilm, mit Streichen braven Ausmaßes. Innovativ ist da schon eher, dass die Zwillinge auch mal "Nanni und Hanni" gerufen werden. Wenn eine realitätsferne Society-Mami ihren Gastauftritt hat oder sich Schwestern zoffen, erinnern sich dafür vielleicht sogar Zuschauerinnen jenseits der Pferdephase, wie es ist, ein Kind zu sein.
Unnötige Erinnerungen an amerikanische (Junior-)Highschoolfilme bleiben allerdings nicht aus. Statt mit einem piefigen deutschen Bus fährt die Schulmannschaft mit einem ins Gedächtnis gebrannten gelben US-Klassiker durch die Landschaft. Dass die Zwillinge "Sullivan" mit Nachnamen heißen, dafür kann der Film – dank Romanvorlage – nichts. Ebensowenig wie für den Umstand, dass Versammlungen von Internats-Ehemaligen heute auch seltsame Emotionen heraufbeschwören. Das aber wird schnell weggewischt und harmlos geht's zu Ende.
Wir merken uns nicht nur: Heino Ferch mit Indie-Schal sieht komisch aus, sondern auch: Freundinnen sind wichtiger als Jungs, Individualität ist eine Menge wert und wenn wir alle zusammenhalten … Unentwegt und überdeutlich sagt einem zudem die Filmmusik, was man fühlen sollte. Wenn die Töne zum großen Finale erklingen, hat man etwas Angst, ein neuer deutscher Highschool-Musical-Versuch könnte starten. Aber doppeltes Glück: Es tanzt und singt niemand.
Petra Bäumer

Hanni & Nanni, Deutschland 2010, Regie: Christine Hartmann, Buch: Jane Ainscough, Katharina Reschke nach den Büchern von Enid Blyton, mit Sophia Münster, Jana Münster, Hannelore Elsner, Heino Ferch, Suzanne von Borsody, Anja Kling u. a., 85 min, Kinostart: 17. Juni 2010 bei Universal

Foto: Verleih


Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal,de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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