Von wegen braver Kinderkram! Der Familienfilm ist in jüngster Vergangenheit gleich mehrfach zum kreativen Spielplatz von eigenwilligen Regiekindsköpfen geworden. Spike Jonze sprintete Ende vergangenen Jahres vorweg mit seiner kongenialen Adaption von Maurice Sendaks von mehreren Generationen heiß geliebtem Fast-Bilderbuch "Wo die wilden Kerle wohnen", bevor Tim Burton kurze Zeit später seine knallig angetrippte Version von "Alice im Wunderland" ins Feld schickte. Nun folgt noch Wes Anderson, der sich für sein Animationsabenteuer "Der fantastische Mr. Fox" Roald Dahls gleichnamigen Kinderbuchklassiker vorgenommen hat.
Auf den ersten Blick könnte man denken, dass Anderson hier für sich ganz neue Wege gehen will: Schließlich ist es nicht nur das erste Mal, dass er einen Trickfilm gedreht hat. Er hat erstmals auch kein eigenes Drehbuch, sondern einen fremden Stoff verfilmt. Schon nach wenigen Momenten wird allerdings klar, dass er zusammen mit Co-Autor Noah Baumbach und unter Beibehaltung aller wichtigen Dahl-Koordinaten der Geschichte etwas ganz Eigenes abgewinnt. Wo Anderson draufsteht, ist also nach wie vor unverkennbar der Anderson-Stil drin. Und wie eigentlich alle seine Filme ist auch dieser Familienfilm wieder ein, nun ja, Familienfilm.
Väter und Söhne
Vom Hochbegabtenklan der "Royal Tenenbaums" bis zu den drei Brüdern in "Darjeeling Limited" ist die Familie in so gut wie allen seinen Filmen das zentrale Thema – und nie funktioniert sie besonders gut. Meist sind schwelende Zwistigkeiten und mehr oder weniger ausgesprochene Konflikte an der Tagesordnung und doch gibt es bei vielen dieser Protagonisten/innen die Sehnsucht, sich doch irgendwie wieder zusammenzuraufen. Auch bei der Fuchsfamilie von Mr. Fox ist das nicht viel anders, der zudem bestens in eine Reihe mit Andersons früheren Vaterfiguren passt: zum Schlitzohr Royal Tenenbaum oder dem Meeresforscher Steve Zissou, die wie der Fuchs exzentrische Typen mit einem ausgeprägten Egoismus sind und deren Verhältnis zum Nachwuchs aus unterschiedlichen Gründen gestört ist. Wie im Falle des Jungfuchses Ash, der zu allem Überfluss plötzlich auch noch im Schatten seines beliebten Cousins steht, handelt es sich dabei vorzugsweise um Söhne, die sich für die Anerkennung und Zuwendung ihrer Väter abstrampeln.
Mr. Fox selbst, der mit seiner Frau und Ash ein unfuchsiges Leben in der Naturidylle führt, plagen derweil jedoch ganz andere Dinge. Während seine Frau ihre Zeit mit dem Zusammenhalten der Familie und Landschaftsmalerei verbringt, beginnt der Gentleman-Fuchs im eleganten Cordanzug, über die großen, existentialistischen Fragen zu grübeln. Warum ist er kein Pferd oder ein Käfer? Und da er ein Fuchs ist, kann er überhaupt ohne ein Hühnchen zwischen den Zähnen leben? Er hat schließlich aufgehört zu jagen und schreibt stattdessen eine Kolumne für die Zeitung. Die tierischen Instinkte brechen in diesem nach sehr menschlichem Vorbild kultivierten Leben nur noch beim Abendessen heraus, das er wild verschlingt. Weil er sich aber nicht weiter gegen seine Natur verhalten kann, geht er heimlich mit dem Opossum Kylie auf Beutejagd in den Fabriken der drei Farmer Boggis, Bounce und Beans. Die erklären daraufhin allerdings nicht nur dem Fuchs, sondern auch seiner Familie und den vielen tierischen Mitstreitern den Kleinkrieg.
Alte Bekannte
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