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"Ich wollte abgründige Filme machen wie mein großes Vorbild David Lynch. Nur irgendwie fehlten mir die Abgründe!", erinnert sich David Sieveking zu Beginn seines autobiografischen Dokumentarfilms an die unangenehme Ideenlosigkeit nach dem Regiestudium. Im Internet stieß er dann aber auf einen Workshop über Kreativität, den sein Idol leiten würde. Kurzentschlossen reiste Sieveking mit Kameramann von Berlin aus los in die USA und ein "yogisches Abenteuer" – so der Untertitel des Films – beginnt. Denn Lynch dreht nicht nur meisterhafte Mystery-Thriller, sondern ist auch einer der führenden Botschafter der so genannten TM-Bewegung, den geschätzt fast sechs Millionen Menschen weltweit, die Transzendentale Meditation erlernt haben – darunter Prominente wie die Beatles oder Clint Eastwood.
Lynch persönlich empfiehlt also dem deutschen Nachwuchsregisseur mit beschwörendem Fingerflattern diese Meditationstechnik und verspricht "money in the bank" – schließlich stimuliert er selbst seit über dreißig Jahren auf diese Weise seine Kreativität, was sich in denkwürdigen Werken wie "Eraserhead" (1976), der "Twin Peaks"-Serie (1990-1991) oder zuletzt "Inland Empire" (2006) bezahlt macht. Angefacht wird bei Sieveking in erster Linie allerdings die Neugier und er lenkt seine Schaffenskrise um in eine investigative Recherche über die historischen Wurzeln, die fragwürdige Wirkung und die sektenähnlichen Strukturen von Transzendentaler Meditation.
Anfangs noch von naiver Faszination, dann vom Aufklärungswillen eines Reporters getrieben, reist er – ein bisschen an Michael Moore erinnernd – als Hauptfigur im eigenen Film um die Welt, um mit Interviews, Beobachtungen und Selbstexperimenten das ausbeuterische Geschäft hinter der spirituellen Bewegung zu enthüllen. So nimmt er mit rund 40.000 Menschen in Indien an der Bestattung des umstrittenen Gründergurus Maharishi Mahesh Yogi teil, hinterfragt TM-Praktiken in dessen himalayischem Heimatkloster, besucht eine New Yorker Spendenveranstaltung mit Paul McCartney als Redner, beobachtet die zankenden TM-Obersten in ihrem goldglänzenden Führungspalast und schleicht sich in angebliche Meditationszentren, die sich als Bauruinen entpuppen. Und immer wieder stellt Sieveking auch den langsam entnervten David Lynch zur Rede, der beharrlich weiter mit den Fingern flattert und den Weltfrieden predigt.
Die kuriosen und manchmal total absurd wirkenden Filmaufnahmen gepaart mit der humorvollen Selbstbespiegelung des liebeskummrigen Regisseurs münden in einem ebenso lustigen wie unheimlichen Film. Lustig, weil Sieveking sich und seine Rechercheergebnisse sehr persönlich, unterhaltsam und – tatsächlich! – kreativ präsentiert. Unheimlich, weil er das Bild eines einflussreichen Konzerns umreißt, der Menschen finanziell und psychisch ruinieren kann. Gleichzeitig nimmt Sieveking sich selbst und sein Anliegen nicht zu ernst – was mal eine Stärke des Films, mal eine Schwäche sein kann.
Marguerite Seidel
David Wants to Fly, Dokumentarfilm, Deutschland, Österreich, Schweiz 2010, Buch & Regie: David Sieveking, mit David Sieveking, Swami Dhirendra, David Lynch u. a., OmU, 97 min, Kinostart: 6. Mai 2010 bei Neue Visionen
Foto: Verleih
www.neuevisionen.deMehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
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www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
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