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Die Eleganz der Madame Michel

Die Eingeigelten

Kinostart: 6.5.2010 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Und wieder eine Bestseller-Verfilmung: "Die Eleganz der Madame Michel" von Muriel Barbery war 2007 in Frankreich so erfolgreich, dass nun Bilder folgen mussten. Gefühlig nimmt sich das Regiedebüt von Mona Achache der Geschichte von der elfjährigen Paloma an und zeigt, wie sehr einen das Leben schon in jüngsten Jahren nerven kann. Paloma wurde mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und ist hochbegabt, doch darüber hat sie das Wundern verlernt. Angeödet von dem vorhersehbaren Verhalten ihrer neurotischen Familienmitglieder erwartet Paloma auch von ihrem eigenen Werdegang wenig Überraschendes. Also will sie sich am nächsten Geburtstag das Leben nehmen – quasi als letzter Akt ihres freien Willens. 165 Tage bleiben ihr bis dahin noch, über sie will Paloma ein filmisches Tagebuch führen. Doch während sie so durch den Sucher ihrer altmodischen Kamera blickt, gerät immer öfter die bärbeißige Concierge Madame Michel in den Fokus. Seit 25 Jahren kommt sie den Hausmeisterpflichten des herrschaftlichen Pariser Wohnhauses nach. Nun ist sie Mitte 50 und verkörpert dank ihres vernachlässigten Äußeren das Erscheinungsbild ihres Berufsstandes so perfekt, dass sie ihr wahres Ich dahinter verstecken kann: eine sensible, Literatur wie Schokolade verschlingende Frau. Bis ein neuer Mieter einzieht: Interessiert an Madame Michel lässt sich der Japaner Kakuro Ozu von deren stacheliger Schale nicht täuschen. Paloma wird Zeugin dieser zarten Annäherung, die zweifellos auch das Kino-Publikum verzaubert – so subtil und doch konventionell öffnen sich hier zwei Außenseiter. Für Paloma bleibt deren Begegnung nicht folgenlos, lernt sie daran doch, wie überraschend und kostbar das Leben sein kann.

Mona Achache gelingt die Verschmelzung von Melancholie und Humor in einer fast kammerspielhaften Figurenanordnung. Nervte einen im Roman die altkluge Attitüde der kleinen Heldin, beeindruckt sie hier eher durch Taten und Bilder als durch zynische Kommentare. Großartig ist zweifellos Josiane Balasko als Madame Michel, die in diesem Film wohl am meisten wagt, dem Leben neue Qualitäten abzugewinnen.
Cristina Moles Kaupp

(Le hérisson) Frankreich, Italien 2009, Buch & Regie: Mona Achache nach dem Roman "L'élégance du hérisson" von Muriel Barbery, mit Josiane Balasko, Garancelle Le Guillermic, Togo Igawa, Anne Brochet u. a., 99 min, Kinostart: 6. Mai 2010 bei Senator

Foto: Verleih


www.leherisson-lefilm.com
Website zum Film (französisch)
www.madamemichel.senator.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film
www.visionkino.de
Filmtipp von Vision Kino, Netzwerk für Film und Medienkompetenz
www.kinofenster.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




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