Image 25273
Und wieder eine Bestseller-Verfilmung: "Die Eleganz der Madame Michel" von Muriel Barbery war 2007 in Frankreich so erfolgreich, dass nun Bilder folgen mussten. Gefühlig nimmt sich das Regiedebüt von Mona Achache der Geschichte von der elfjährigen Paloma an und zeigt, wie sehr einen das Leben schon in jüngsten Jahren nerven kann. Paloma wurde mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und ist hochbegabt, doch darüber hat sie das Wundern verlernt. Angeödet von dem vorhersehbaren Verhalten ihrer neurotischen Familienmitglieder erwartet Paloma auch von ihrem eigenen Werdegang wenig Überraschendes. Also will sie sich am nächsten Geburtstag das Leben nehmen – quasi als letzter Akt ihres freien Willens. 165 Tage bleiben ihr bis dahin noch, über sie will Paloma ein filmisches Tagebuch führen. Doch während sie so durch den Sucher ihrer altmodischen Kamera blickt, gerät immer öfter die bärbeißige Concierge Madame Michel in den Fokus. Seit 25 Jahren kommt sie den Hausmeisterpflichten des herrschaftlichen Pariser Wohnhauses nach. Nun ist sie Mitte 50 und verkörpert dank ihres vernachlässigten Äußeren das Erscheinungsbild ihres Berufsstandes so perfekt, dass sie ihr wahres Ich dahinter verstecken kann: eine sensible, Literatur wie Schokolade verschlingende Frau. Bis ein neuer Mieter einzieht: Interessiert an Madame Michel lässt sich der Japaner Kakuro Ozu von deren stacheliger Schale nicht täuschen. Paloma wird Zeugin dieser zarten Annäherung, die zweifellos auch das Kino-Publikum verzaubert – so subtil und doch konventionell öffnen sich hier zwei Außenseiter. Für Paloma bleibt deren Begegnung nicht folgenlos, lernt sie daran doch, wie überraschend und kostbar das Leben sein kann.
Kommentare
Dein Kommentar