t

vincent will meer

Die Asche seiner Mutter

Kinostart: 22.4.2010 | Jörn Hetebrügge | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Image 25179

Image 25179

Bleib mal locker. In Vincents Ohren klingt so eine Aufforderung wie der blanke Hohn. Der sensible junge Mann (Florian David Fitz) leidet am Tourette-Syndrom. Und so wird er immer wieder von plötzlichen Tics heimgesucht, die ihn unkontrolliert zucken und obszöne Flüche ausstoßen lassen. Sogar auf der Beerdigung seiner Mutter. Für den karrierefixierten Politiker-Vater ein peinlicher Zwischenfall, der ihn dazu veranlasst, den Sohn in ein psychiatrisches Heim abzuschieben. Dort aber hält es Vincent nicht lange aus. Gemeinsam mit der magersüchtigen Marie (Karoline Herfurth) "borgt" er sich das Auto der Heimleiterin Dr. Rose aus und macht sich mit der rebellischen Bekannten auf nach Italien. Widerwillig mit von der Partie: Vincents Zimmergenosse, der Zwangsneurotiker Alexander (Johannes Allmayer). Und im Gepäck: eine Bonbondose mit der Asche der Mutter. Denn deren letzter Wunsch war es schließlich, noch einmal ans Meer zu fahren. So beginnt eine Reise, die schon bald abenteuerliche Züge annimmt. Nicht nur, weil sich das Ausreißer-Trio durchaus nicht grün ist. Sondern auch, weil Vincents Vater und Dr. Rose alles daran setzen, die Flucht der drei zu beenden.

Fahren drei Psychos nach Italien. So könnte ein niveauloser Witz beginnen. Und wie jede Filmkomödie, die Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen in den Mittelpunkt stellt, läuft auch "vincent will meer" Gefahr, sich auf Kosten seiner Hauptfiguren lustig zu machen. Komödien-Routinier Ralf Huettner, der das Drehbuch seines Hauptdarstellers Florian David Fitz verfilmte, gelingt es jedoch zumeist souverän, die Krankheitssymptome seiner Helden für Gags und Spannungsmomente zu nutzen, ohne im seichten Fahrwasser des Pennälerhumors zu stranden. Es zählt zu den sympathischen Seiten seines Films, dass er Vincent, Marie und Alexander nicht zu komischen Freaks macht, sondern sie als Außenseiter zeigt, mit denen man sich identifizieren kann. Auch ein Verdienst freilich der drei durchweg überzeugenden Hauptpersonen.

Den Mut seiner Helden, aus den vorgegebenen Bahnen auszubrechen, teilt Huettner indes nicht. Ästhetisch wie dramaturgisch bewegt sich "vincent will meer"
in den ausgetretenen Pfaden des Coming-of-Age-Roadmovies. Genrestandards wie den verständnislosen Vater (Ferch spielt ihn als Karikatur) und das Sehnsuchtsziel Meer gibt es bei seiner filmischen Pauschalreise inklusive. Und so sitzt man in einem Film, der einige nachdenkliche Momente aufweist und dem man das Anliegen, auf eine seltene Erkrankung aufmerksam zu machen, durchaus abnimmt – der letztlich aber in seiner eingängigen Unterhaltsamkeit kaum tiefer gehende Erfahrungen oder gar Irritationen zulässt.
Jörn Hetebrügge

vincent will meer, Deutschland 2009, Regie: Ralf Huettner, Buch: Florian David Fitz, mit Florian David Fitz, Karoline Herfurth, Johannes Allmayer, Heino Ferch, Katharina Müller-Elmau u. a., 96 min, Kinostart: 22. April 2010 bei Constantin

Foto: Verleih


www.vincent.film.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film
www.kinofenster.de
Filmbesprechung auf kinofenster.de




Kommentare

Dein Kommentar