Young Victoria

Lehrjahre einer Königin

Kinostart: 22.4.2010 | Alexandra Seitz | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Königin Victoria von England und ihr Cousin und Gemahl Albert von Sachsen-Coburg und Gotha hatten Glück. Sie liebten einander. Und Liebesheiraten waren im Hochadel, der die Herrschaft der Welt mit Hilfe verwandtschaftlicher Beziehungen diplomatisch geschickt zu managen wusste, nicht gerade gang und gäbe. Geschweige denn Mittel der Wahl. Das wussten sowohl Victoria als auch Albert, als sie einander vorgestellt wurden. Doch zur jeweils eigenen großen Überraschung fanden sie einander auf den ersten Blick sympathisch. 1840 werden die beiden vermählt und in den 21 Jahren ihrer Ehe – Albert starb 1861 mit 42 Jahren an Typhus und hinterließ eine lebenslang trauernde Witwe – zeugten die beiden neun Kinder, deren unzählige Nachkommen in unzähligen Fürstenhäusern Victoria den Beinamen "Großmutter Europas" einbrachten. Darüberhinaus gab sie dem langen Zeitalter ihrer Regentschaft von 1837 bis 1901 ihren Namen.
Doch nicht die viktorianische Ära steht im Mittelpunkt von Jean-Marc Vallées Historienfilm "Young Victoria", sondern jene kurze Zeitspanne, in der das isoliert erzogene, unerfahrene Mädchen zur Königin wird, sich gegen Intriganten und Ränkeschmiede zur Wehr setzen muss – und Albert kennen und lieben lernt. Darin liegt auch schon das Problem. "Young Victoria" kann sich zwischen Politik und Liebe nicht entscheiden. Für eine herzhafte Romanze bringt der Film zu viele politische Hintergründe ins Spiel, die wiederum diffus und kursorisch bleiben, weil ja schließlich auch die Geschichte der Liebenden erzählt werden soll. So kommt weder das eine noch das andere zu seinem Recht. Während es Stephen Frears mit "Die Queen" und Saul Dibb mit "Die Herzogin" gelang, die komplexe, die Lebenswirklichkeit in Herrscherhäusern prägende Wechselwirkung von Charakter und Gesellschaft, Individuum und Protokoll in ihrer ganzen faszinierenden Vielschichtigkeit darzustellen, bleibt Vallée mit "Young Victoria" immer wieder im Dekorativen und Anekdotischen stecken. Daran können auch Emily Blunt und Rupert Friend nichts ändern, die die Figuren von Victoria und Albert zwar mit Leben füllen, aber kaum einmal Gelegenheit erhalten, ihnen auch Tiefe zu verleihen. Das alles ist dann schön anzusehen und wurde dementsprechend mit einem Oscar für das beste Kostümdesign belohnt, aber mehr ist es eben nicht. Und schon gar nicht wird es der historischen Bedeutung einer Königin gerecht, die länger auf dem Thron saß als jeder andere Monarch und unter deren Regentschaft das britische Empire eine seiner glänzendsten und zugleich widersprüchlichsten Epochen erlebte.
Alexandra Seitz

(The Young Victoria) Großbritannien, USA 2009, Regie: Jean-Marc Vallée, Buch: Julian Fellowes, mit Emily Blunt, Rupert Friend, Paul Bettany, Miranda Richardson, Jim Broadbent u. a., 104 min, Kinostart: 22. April 2010 bei Capelight

Foto: Verleih


www.theyoungvictoria.co.uk
Website zum Film (englisch)
www.youngvictoria-film.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film




Kommentare

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)

Dein Kommentar

Kommentar schreiben

(Anmerkung der Redaktion: Kommentare werden manuell während der Redaktionszeit freigeschaltet.)