A Single Man

Die Dinge des Lebens

Kinostart: 8.4.2010 | Sascha Rettig | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Dass Schauspieler/innen die Seite wechseln, ist mittlerweile keine Seltenheit mehr. Auch dass es Künstler wie den Maler Julian Schnabel ("Schmetterling und Taucherglocke") hinter die Kamera verschlägt, ist keineswegs ungewöhnlich. Doch ein Stardesigner wie Tom Ford, der bislang vor allem im Modebusiness für Aufsehen sorgte, indem er unter anderem das Luxuslabel Gucci wieder flott machte? Das ist die Ausnahme. Die Skepsis, die man seinen Ambitionen entgegenbringen könnte, ist in Anbetracht seines großartigen Regiedebüts "A Single Man" allerdings völlig unbegründet.

Basierend auf Christopher Isherwoods in den 1960er-Jahren erschienenem Roman "Der Einzelgänger" erzählt er von der Trauerarbeit des schwulen College-Professors George (Colin Firth), der seinen langjährigen Partner Jim durch einen Autounfall verloren hat. Wie betäubt durchläuft er seitdem seinen Alltag, ist geplagt von Depressionen und unfähig, die entstandene Leerstelle wieder zu füllen. Immer wieder schweift er gedanklich in die Vergangenheit ab, hängt den intensiven Erinnerungen der Zeit zu zweit nach. Aus dieser Trauer heraus beschließt er daher, sich am 30. November 1962 umzubringen. "A Single Man" zeigt dabei mit immer wieder einfließenden Flashbacks und Traumsequenzen diesen vermeintlich letzten Tag seines Lebens: die Vorbereitungen für den eigenen Tod, die Begegnungen mit seiner besten Freundin (Julianne Moore) und einem seiner jungen Studenten und auch überraschende Momente, die George wieder ans Leben glauben lassen.
Das visuelle Konzept, dass sich Ford überlegt hat, mag zwar zunächst etwas simpel erscheinen: wenn die intensiv aufblühenden Farben in kurzen sinnlichen Lebendigkeitsschüben aufblühen und dann in der über allem liegenden Trauer wieder beinah völlig herausgezogen werden. Dennoch ist "A Single Man" von einer raren visuellen Schönheit, die die berufliche Herkunft des Texaners auch nach dem Wechsel der Kunstform stets spürbar bleiben lässt: Jede Einstellung steckt voller präzise arrangierter Details. Jedes Bild ist stilvoll und elegant komponiert.

Wenn das alles wäre, könnte man sich auch die Fotostrecken in Hochglanzmagazinen durchblättern, statt den Film anzusehen. Doch "A Single Man" reicht weit unter die makellos schöne Oberfläche und berührt ohne falsche Sentimentalitäten – was auch am so nuancierten wie ergreifenden Spiel des oft unterschätzten Hauptdarstellers Colin Firth liegt, der für diese Rolle 2009 beim Filmfest in Venedig als bester Darsteller ausgezeichnet wurde. "A Single Man" ist ein zartes Melodram über universell nachfühlbare Emotionen: über kleine Glücksmomente, den Verlust eines geliebten Menschen und die Gefühle unüberwindbarer Trauer.
Sascha Rettig

A Single Man, USA 2009, Regie: Tom Ford, Buch: Tom Ford, David Scearce nach dem Roman "Der Einzelgänger" von Christopher Isherwood, mit Colin Firth, Julianne Moore, Nicholas Hoult, Matthew Goode, Jon Kortajarena u. a., 100 min, Kinostart: 8. April 2010 bei Senator

Foto: Verleih


www.asingleman-movie.com
Website zum Film (englisch)
www.asingleman.senator.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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