t

From Paris with Love

Bedeutungsloser Krawall

Kinostart: 25.3.2010 | Alexandra Seitz | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Image 24981

Image 24981

Irgendwann mal gegen Abend wird von einem der beiden "Helden" dieses Films der gemeinsam erzielte Body Count rekapituliert. Man kommt auf etwa zwanzig, und da man sich erst am Morgen zuvor (oder war es Abend?) kennen gelernt hat, wäre das etwa ein Toter pro Stunde. Sonderbar ist, dass einem das in dem Moment weder spektakulär noch sonst irgendwie beunruhigend vorkommt.

Klar, eine hohe Sterblichkeitsrate des Personals, meist des im Hintergrund herumwuselnden, darf einen in einem Actionfilm nicht überraschen, denn wo gehobelt wird, fallen schließlich Späne. Aber es sagt natürlich einiges, wenn nicht alles über das Verhältnis zur gezeigten Gewalt aus, wenn diese sich auf den reinen Unterhaltungswert von lautem Geballer aus großen Kanonen begleitet von Heavy-Metal-Radau reduzieren lässt. Weitestgehend entbehrlich ist in einem solchen Fall comic-haften Umgangs mit Tod und Zerstörung dann oftmals die kohärente Geschichte. Stattdessen reicht es aus, sich mit Hilfe windiger Handlungsfragmente von spektakulärer Krawall-Sequenz zu spektakulärer Krawall-Sequenz zu angeln und darauf zu setzen, dass die Bedeutungslosigkeit des großen Ganzen in all dem Getöse schon niemandem auffallen wird.

Auf der tiefer gelegten Ebene des kindischen Vergnügens an Explosionen, coolen Posen, Machosprüchen und, nicht zu vergessen, der obligatorischen Autoverfolgungsjagd mit quietschenden Reifen und ordentlich Blechschaden funktioniert Pierre Morels "From Paris with Love" ziemlich gut. Morel ließ bereits im vergangenen Jahr Liam Neeson in der Rolle eines rot sehenden Vaters auf Selbstjustiz-Mission eine Schneise der Verwüstung durch Paris schlagen; "96 Hours" hieß das Machwerk. Und weil es an den Kinokassen sehr erfolgreich war, kam man auf den nahe liegenden Gedanken, die gleiche Chose doch noch mal zu versuchen. Nur diesmal ein bisschen anders.

Diesmal also spielt John Travolta den Godzilla-gleich wütenden Amerikaner in Paris und sorgt mit seiner leicht wahnsinnigen Grandezza für komische Akzente. Travoltas CIA-Rabauke wird flankiert von Jonathan Rhys Meyers' elegantem Botschaftsangehörigen, dessen bescheidene Träume von aufregenden Agenten-Abenteuern sich plötzlich auf unerwartet handfeste Weise realisieren. Achja, der Plot dreht sich um chinesische Drogenhändler, die irgendwie mit pakistanischen Terroristen unter einer Decke stecken, welche wiederum einen Anschlag auf einen Afrika-Kongress planen. Aber im Grunde ist das völlig egal. Hauptsache es fetzt. Und es fetzt. Man muss allerdings vorher das Gehirn ausschalten.
Alexandra Seitz

(From Paris with Love) Frankreich 2009, Regie: Pierre Morel, Buch: Adi Hasak, Luc Besson, mit John Travolta, Jonathan Rhys Meyers, Kasia Smutniak, Richard Durden, Amber Rose Revah u.a., 93 min, Kinostart: 25. März 2010 bei Universum

Foto: Verleih


www.frompariswithlove.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film




Kommentare

Dein Kommentar