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Agora - Die Säulen des Himmels

Die Freiheit des Denkens

Kinostart: 11.3.2010 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Klug, schön und ihrer Zeit weit voraus soll Hypatia, eine der berühmtesten Wissenschaftlerinnen der Spät-Antike, gewesen sein. Ende des vierten Jahrhunderts lehrte sie in Alexandria Astrologie, Mathematik und Philosophie, 415 fiel sie als Heidin tragischerweise unerbittlichen Glaubenskriegen zum Opfer. Ihr Schicksal steht nun im Mittelpunkt des Historiendramas "Agora - Die Säulen des Himmels" des spanischen Oscar-Regisseurs Alejandro Amenábar ("Das Meer in mir"). Er hat lange für seinen fünften Film recherchiert und auf der Insel Malta Teile des antiken Alexandrias nachgebaut, so auch die Agora, den Marktplatz, auf dem sich die vielen Ethnien und Bevölkerungsschichten versammelten, die die ägyptische Küstenstadt bevölkerten. Die damalige Landschaft, Architektur und selbst der Sternenhimmel anno 390 wurden am Computer animiert.

Doch zurück zu Hypatia, die in der zweitberühmtesten Bibliothek Alexandrias unterrichtete; die erste hatte Cäsar 48 v. Chr. zerstört. Als Freigeist unterschied sie nicht zwischen Herkunft, Glauben und Geschlecht. Lange vor Galileo bezweifelte sie, dass sich die Sonne um die Erde dreht. Rachel Weisz spielt diese charismatische Wissenschaftlerin, die auf die Ehe verzichtet, damit sie weiterhin forschen kann. Ihr Sklave Davus, aber auch der wohlhabende Schüler Orestes verlieben sich in sie und sorgen so für filigrane Zwischentöne in diesem vielschichtigen und bildgewaltigen Epos. Als geistiges und wirtschaftliches Zentrum der römisch-hellenistischen Welt war Alexandria stets heiß umkämpft. Nun will der fundamentalistische Patriarch Cyrill die Herrschaft an sich reißen; seine Ähnlichkleit mit Osama Bin Laden ist verblüffend. Erst ermorden seine Krieger die Juden, dann metzeln sie die Heiden nieder. Alexandrias Bibliothek geht in Flammen auf.

Für die hochaktuelle Frage, welche Rolle die Wissenschaft im Spannungsfeld von Glaubenskriegen und politischen Machtansprüchen spielt, hat Regisseur Amenábar frappierende Parallelen in der Antike gefunden. Mag die Fülle der Details anfangs noch den Eindruck erwecken, in einem visuellen Geschichtsunterricht gelandet zu sein, verfällt man bald jedoch dem Charme Hypatias und ihrer Lust, den Dingen auf den Grund zu gehen. Gewiss, ihre Figur hat Alejandro Amenábar stark idealisiert, mit ihr jedoch seinen wichtigsten Appell verknüpft: Keine Religion hat das Recht, die Freiheit des Denkens zu unterdrücken.
Cristina Moles Kaupp

(Ágora) Spanien 2009, Regie: Alejandro Amenábar, Buch: Alejandro Amenábar, Mateo Gil, mit Rachel Weisz, Max Minghella, Oscar Isaac, Michael Lonsdale, Ashraf Barhom u. a., 127 min, Kinostart: 11. März 2010 bei Tobis

Foto: Verleih


www.agorathemovie.com
Website zum Film (englisch, spanisch)
www.agora-derfilm.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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