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"Bis es einen selbst betrifft, sind es nur Fernsehnachrichten", sagt einer der vielen verschiedenen Protagonisten von "Ajami". Er ist Polizist, sein Bruder ist von Palästinensern entführt worden, seine Weltsicht ist im Wanken, als er diesen Satz sagt, es ist ein sehr persönlicher Satz. Der Satz könnte aber auch der Leitspruch des ganzen Films sein, denn der erlaubt wie durch ein Kaleidoskop einen Blick auf eines der kompliziertesten Länder der Welt: Israel.
Mit Hilfe verschiedener, kunstvoll ineinander verschränkter Episoden beschreiben die beiden Regisseure Scandar Copti, ein arabischer Christ, und Yaron Shani, ein israelischer Jude, wie die große Politik sich auf die Menschen auswirkt. Ob Jude oder Jüdin, Moslem/in oder Christ/in, mit israelischem Pass oder als illegale/r Einwanderer/in, als Restaurantbesitzer/in oder Küchenhilfe, Drogendealer/in oder Polizist/in, Frau oder Mann, Kind oder Erwachsener: Die Umstände machen die Charaktere zu Akteuren/innen oder zu Opfern – und die Rollen wechseln beständig.
In einfachen, halb-dokumentarischen Bildern fangen die beiden Filmemacher dieses Leben ein, in das wie eine biblische Plage immer wieder die Gewalt einbricht. Es sind unkalkulierbare Eruptionen, in denen sich die Spannungen zwischen Kulturen, Ethnien und Milieus entladen – wie die sich aneinander reibender Kontinentalplatten in einem Erdbeben. "Ajami" inszeniert die spektakuläre Wirklichkeit des Nahen Ostens so nüchtern und trocken wie möglich und ohne jede Lust an billigen Schauwerten. Und am Ende dieses großartigen Films hat man Israel, dieses unglaublich komplizierte Land, tatsächlich ein wenig besser verstanden.
Thomas Winkler
Ajami, Israel, Deutschland 2009, Buch & Regie: Yaron Shani, Scandar Copti, mit Shahir Kabaha, Ibrahim Frege, Fouad Habash, Youssef Sahwani, Ranin Karim u. a., DF und OmU, ab 16, 120 min, Kinostart: 11. März 2010 bei Neue Visionen
Foto: Verleih
www.ajami-film.deWebsite zum Film (deutsch)
www.filmportal.deInfos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
www.visionkino.deFilmtipp von Vision Kino, Netzwerk für Film und Medienkompetenz
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