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Boxhagener Platz

Ostberlin im Jahre '68

Kinostart: 4.3.2010 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Heute treffen sich am Boxhagener Platz in Berlin-Friedrichshain überwiegend Trödelhändler und Szenemenschen. Wenig erinnert an jene ruhigeren Zeiten, als die Mauer noch stand. Damals lebten die so genannten kleinen Leute dort unauffällig in den Tag hinein, heiter und trickreich im Umgang mit dem Staatsapparat. So zumindest lässt Regisseur Matti Geschonneck jenes Biotop in seinem ersten Kinofilm nach zehnjährigem Wirken für das Fernsehen wieder auferstehen. Grundlage dazu war das Romandebüt "Boxhagener Platz" von Torsten Schulz, der auch das Drehbuch für die Verfilmung schrieb. Sie spielt im Jahr 1968, als Matti Geschonneck, damals 16-jährig, noch selbst durch den besagten Kiez stromerte.

Im Film führt jedoch die bodenständige Gudrun Ritter als Oma Otti Regie. Die resolute kochfreudige Person hat bereits fünf Ehemänner überlebt, nun liegt der sechste in den letzten Zügen und die nächsten Verehrer lauern schon. Alt-Nazi Fisch-Winkler (Horst Krause) zum Beispiel und der aufmüpfige Ex-Spartacuskämpfer Karl, gespielt von Michael Gwisdek. Eine Riege altverdienter Ost-Schauspieler beleben diese von leichter Wehmut getragene Komödie, und für das Gesamtberliner Publikum ließen sich Jürgen Vogel als einfältiger Polizist und Meret Becker als seine Frau mit Sehnsucht nach dem Westen einspannen. Deren Liebe hat gelitten, zwischen den Fronten stapft der zwölfjährige Sohn Holger, den es zu Oma Otti drängt. Wen wundert's? Von ihr lernt er mehr fürs Leben. Doch dann gibt es einen Mord, einige Verdächtige und haufenweise Missverständnisse.

Ja, "Boxhagener Platz" huldigt demonstrativ den kleinen Fluchten im Leben und besticht mit einem sympathischen Ensemble. Und: Ja, er erinnert auch an "Sonnenallee" und mufft manchmal nach Ostalgie und Heimatfilm. Währenddessen tobt hinter der Mauer die 68er-Revolte, rollen in Prag die Panzer auf. An der Ausstattung dieses Zeitfensters hat "Boxhagener Platz" Großes geleistet und auch ein paar Sekündchen aus einstigen TV-Reportagen hineinverwoben. Aber sonst? "Boxhagener Platz" wirkt ausgewogen piefig und hat somit gute Chancen für einen künftigen Gernsehabend.
Cristina Moles Kaupp

Boxhagener Platz, Deutschland 2009, Regie: Matti Geschonneck, Buch: Torsten Schulz nach seinem Roman, mit Gudrun Ritter, Michael Gwisdek, Jürgen Vogel, Horst Krause, Meret Becker u. a., 102 min, Kinostart: 4. März 2010 bei Pandora

Foto: Verleih


www.boxhagener-platz-film.de/vorschau
Website zum Film
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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