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Schon wieder einer. Als wären "Der Baader-Meinhof-Komplex", "Buddenbrooks" oder "Die Päpstin" nicht genug, drängt jetzt schon wieder ein Amphibienfilm ins Kino, der sein Geld auch noch als Fernsehmehrteiler einspielen soll. Doch wenn bei der Leinwandfassung schon die Bedürfnisse des potenziellen Fernsehpublikums mitbedient werden, geht das meist auf Kosten des kreativen Profils. Was bleibt, sind oberflächliche Hochglanzstreifen in Überlänge. Das ist bei "Henri 4" nicht anders.
Frankreich, Mitte des 16. Jahrhunderts. Hugenotten und Katholiken führen einen erbitterten Glaubenskrieg. Henri von Navarra (Julien Boissellier) ist noch ein Junge, als er mit den Hugenotten gegen das katholische Paris zieht. Des Kämpfens müde und in der Hoffnung auf Frieden ehelicht er Margot (Armelle Deutsch), die Tochter der katholischen Königin Katharina de Medici (Hannelore Hoger). Doch die Hochzeit endet in einem Blutbad, nur Henri und einige seiner treuesten Gefolgsleute überleben die Bartholomäusnacht.
Beginnend mit den Jugendjahren bis zu seiner Ermordung entfaltet der Film in epischer Breite das Leben des späteren Königs, in dem Schlachten, Gewalt und Sex – häufig alles gleichzeitig – keine geringe Rolle einnehmen. Das mag wohl auch bei dem echten Prinzen von Navarra so gewesen sein. Allerdings geht Regisseur Jo Baier so ausgesucht mit den Fakten um, dass man sich zwischen Kunstblut und nacktem Fleisch fragt, worin denn nun die eigentliche historische Leistung des Königs bestand, der von den Franzosen doch immerhin den Beinamen "Le bon roi" erhielt. Dialoge und Dramaturgie sind auch keine große Hilfe, die Figurenzeichnungen strotzen von peinlichen Klischees, dass selbst das beste Ensemble nichts mehr retten könnte. So gesehen ist "Henri 4" dann doch mehr als nur ein typischer Amphibienfilm. Denn er ist nicht nur lang und langweilig. Er ist auch noch so richtig schlecht.
Ula Brunner
Henri 4, Deutschland, Frankreich 2009, Buch & Regie: Jo Baier nach dem Roman von Heinrich Mann, mit Julien Boisselier, Joachim Król, Roger Casamajor, Chloé Stefani, Ulrich Noethen, u. a., 155 min, Kinostart: 4. März 2010 bei Central
Foto: Verleih
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