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Früher waren sie noch so etwas wie Freunde. Doch als der britische Ex-Premierminister Tony Blair die USA beim zweiten Irakkrieg unterstützte, zerbrach das Vertrauensverhältnis zu dem Bestseller-Autor und ehemaligen Politik-Journalisten Robert Harris ("Vaterland"). Blair hielt damals im viel beschworenen "War on Terror" unbeirrt an der bedingungslosen Gefolgschaft der Vereinigten Staaten fest und fing sich damit die zweifelhafte Reputation als Schoßhündchen von US-Präsident George W. Bush ein. Vor drei Jahren machte Harris das in seinem Roman "Der Ghostwriter" in gewisser Weise zum Thema, malte er sich doch in seinem Verschwörungsthriller die möglichen (Hinter-)Gründe für diese US-Hörigkeit aus – eine Fiktion zwar, die jedoch voll überdeutlicher Referenzen auf Blair steckt und mit der Zeit etwas von der Wirklichkeit eingeholt wurde. Auch in der gleichnamigen Verfilmung von Roman Polanski, der zusammen mit Harris am Drehbuch arbeitete und den Film nach seiner Verhaftung in der Schweiz im Gefängnis und mit Fußfesseln in seinem Chalet vollenden musste, deuten viele Anspielungen überdeutlich auf den Politiker hin.
Im Zentrum von "Der Ghostwriter" steht allerdings nicht der fiktive britische Ex-Premierminister Adam Lang (Pierce Brosnan), der in den USA festsitzt, weil er in England einer Verhaftung wegen Kriegsverbrechen und Folter entgehen will. Es geht um einen namenlosen Autoren (zunächst mit herrlich ironischer Distanz: Ewan McGregor), der die Autobiografie Langs (Pierce Brosnan) als "Ghostwriter" überarbeiten soll und seinen Vorgänger ersetzt, der unter mysteriösen Umständen starb. Für diesen Auftrag muss er sofort in die USA reisen, wo sich Lang gerade mit seiner Frau (undurchsichtig: Olivia Williams) auf einem kleinen Eiland in Neuengland aufhält. Doch nicht nur der Tod seines Vorgängers, sondern auch der Fund einiger Fotos in einem versteckten Umschlag geben ihm Rätsel auf – und er gerät durch seine Nachforschungen in gefährliches Terrain.
Warum ist jemand wie Lang, der sich eigentlich für Schauspielerei begeisterte, Politiker geworden? Inwiefern sind CIA und die Politikergattin in die Geschehnisse verwickelt? Und überhaupt: Welchen Preis hat die Macht für die Mächtigen und diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer in den engen Kreis der Macht geraten? Polanskis leiser Politthriller, den er teils auf Sylt und Usedom drehte, geht diesen Fragen auf engstem Raum nach und entwickelt sich fast zum Kammerspiel im abgeschotteten Domizil auf der weitestgehend verlassenen Insel. Immer wieder regnet es dort, stürmt und macht sich eine Ungemütlichkeit breit unter dem drückend wolkenverhangenen Himmel, der sich meist über den hellen Dünen zusammengezogen hat.
Polanski setzt dies wirkungsvoll mit ein, um die konstante Unbehaglichkeit und das schleichende Gefühl der Paranoia bei dieser Verschwörungsspurensuche zu verstärken, das auch schon seine Filme wie "
Ekel" oder "Rosemarie's Baby" prägte. "Der Ghostwriter" erzeugt dabei zwar nie extreme Spannungsspitzen, schafft aber mit sehr zurückhaltenden Mitteln eine dauerhaft schwelende Anspannung. Selbst wenn man glaubt, die Genremechanismen und die Konstruktion zu durchschauen, funktioniert das durch Polanskis präzise und sehr klinisch ökonomische Inszenierung und die hervorragende Besetzung von der ersten bis zur wirklich allerletzten Minute. Erst dann wird bei der letzten großen Schlusspointe schließlich klar, dass der Ghostwriter die ganze Zeit über die Auflösung klassischerweise schon längst vor Augen hatte.
Sascha Rettig(The Ghost) Frankreich, Deutschland, Großbritannien 2010, Regie: Roman Polanski, Buch: Roman Polanski nach dem Roman von Robert Harris, mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams, Kim Cattrall, James Belushi u. a., 128 min, Kinostart: 18. Februar 2010 bei Kinowelt
Foto: Verleih
www.theghost-romanpolanski.comWebsite zum Film (englisch)
www.ghostwriter.kinowelt.deWebsite zum Film (deutsch)
www.filmportal.deInfos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
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www.kinofenster.deFilmbesprechung auf kinofenster.de
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