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Ein anderes Leben an einem anderen Ort – manchmal mag das helfen, um mit traumatischen Erlebnissen klar zu kommen. Darauf hofft wohl auch der deutsch-amerikanische Doktorand Daniel (Nikolai Kinski) bei seiner Rückkehr nach Deutschland. Eben noch war er in Tanger, dem ewigen Sehnsuchtsort westlicher Aussteiger/innen, wo er bei einem Freund lebte, sich im Gewühl der marokkanischen Stadt treiben ließ und sich in die junge Prostituierte Imane verliebte. Die schwierige Beziehung zu ihr findet allerdings ein jähes Ende, als ihr zehnjähriger Sohn vom Dach stürzt. War es Mord? Oder steckt sogar ein Missbrauch des Jungen dahinter?
Stuttgart ist dagegen eine ganz andere Welt. Und mit dem Ortswechsel beginnt auch ein ganz anderer Film. Denn nun beginnt das zweite Leben des Daniel Shore im Mietshaus seiner kürzlich gestorbenen Großmutter, wo er seine Doktorarbeit fertig schreiben will. Doch in der bedrückenden Atmosphäre holt ihn, von Schuldgefühlen geplagt, das traumatische Ereignis wieder ein. "Die zwei Leben des Daniel Shore", der Debütfilm von Michael Dreher, gleitet dabei zunehmend in die wahnhaften Fantasien seiner Hauptfigur ab, die durch den vermuteten Missbrauch eines Nachbarskindes ausgelöst werden. Verstärkt werden diese Eindrücke durch die Hausbewohner/innen, die als durchweg skurrile, undurchsichtige Gestalten gezeigt werden – ob Katharina Schüttler als aufdringliche Sängerin oder Matthias Matschke als ominöser Banker mit (möglicherweise) pädophiler Neigung.
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