t

She, a Chinese

So viel coole Leere

Kinostart: 4.2.2010 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Image 24467

Image 24467

Mei (Huang Lu) ist eine Rebellin, ein chinesischer Dorfpunk. Das Leben in der Provinz ödet sie derartig an, dass sie sich mit den bescheuertsten Typen einlässt. Wenn sie ihre Mutter nicht gerade verheiraten will, stöpselt sie sich den iPod ins Ohr und lackiert sich die Zehennägel. Nach einer Vergewaltigung hat sie endgültig genug. Sie zieht in die Stadt, hat eine Affäre mit einem bald darauf getöteten Mafia-Schläger, fliegt mit dessen Geld nach London, wo sie einen alten einsamen Mann wegen seines Bankkontos heiratet, ist auch von diesem bald gelangweilt und landet schließlich bei einem Inder mit unangenehmen religiösen Einstellungen. Für eine intelligente junge Frau von heute hat sie einen exquisit schlechten Männergeschmack. Und wenn sie kein anderes Hobby findet, irrt sie vermutlich noch sehr lange und ähnlich glücklos durch die Welt.

"She, a Chinese" ist der vierte Film von Guo Xiaolu, die in China auch schon mehrere Pop-Romane veröffentlicht hat. Während sich die chinesische Filmindustrie derzeit vor allem mit patriotischen Monumentalfilmen beschäftigt, werden die jährlich etwa 200 Independent-Produktionen von der Zensur kaum beachtet. Ähnlich könnte es dem Film im goldenen Westen ergehen. Als Projektionsfläche fremder Begehren bleibt Mei äußerst eindimensional. Sie redet nicht, sieht niemandem in die Augen und hat eigentlich überhaupt keine Persönlichkeit. Die chinesische Popmoderne, als deren Ausdruck man diese Ausdruckslosigkeit wohl sehen soll, ist zumindest in Guo Xiaolus Version eine ziemlich ermüdende Angelegenheit. Da hilft auch der nervig kreischende Rocksoundtrack nichts. Der muss immer mal wieder betonen, dass gerade etwas passiert. Mei kommt in die große Stadt, Mei hat Sex – Zeit für Rock! Auf ähnlichem Niveau agieren die meisten Darsteller/innen.

Nun wird man bei uns nicht gerade überschüttet mit unabhängigen chinesischen Filmen, die einen Eindruck vom Leben abseits der Metropolen vermitteln und der Unzufriedenheit einer vom westlichen Materialismus infizierten Jugend Gehör verschaffen. Aber eben darum hätte man manches gern etwas genauer gewusst. Sie ist Chinesin – und mit diesem Titel ist eigentlich schon alles gesagt.
Philipp Bühler

She, a Chinese, Großbritannien, Frankreich, Deutschland 2009, Buch & Regie: Guo Xiaolu, mit Huang Lu, Wie Yi Bo, Geoffrey Hutchings, Chris Ryman u. a., 98 min, Kinostart: 4. Februar 2010 bei Camino Filmverleih

Foto: Verleih


www.sheachinese-film.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film

Kommentare

Dein Kommentar