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Zeiten ändern Dich

Vom Saulus zum Paulus

Kinostart: 4.2.2010 | Ernst Kramer | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Bushido, Deutschlands erfolgreichster Rapper, hat sich zusammengetan mit Bernd Eichinger, Deutschlands erfolgreichstem Filmproduzenten. Gemeinsam haben sie das Leben Bushidos verfilmt, zu einem von Eichinger verfassten Drehbuch: Bushido wächst auf in Berlin-Tempelhof als Sohn einer Deutschen und eines Tunesiers. Der schlägt seine Frau und verlässt die Familie, als Bushido, bürgerlich Anis Ferchichi, drei Jahre alt ist. Mit 16 versucht er sich als Dealer, als er geschnappt wird, bietet ihm der Richter anstatt Jugendknast eine Ausbildung als Maler und Lackierer an. Anis greift zu und beendet die Dealerei. Das gefällt auch der Freundin aus reichem Hause – auch wenn sie sich bald von ihm trennt, weil er mit den falschen Typen abhängt. Schließlich kommt Bushido bei einem Berliner Rap-Label unter Vertrag und wird zum Star. Aber immer noch rutscht ihm in bestimmten Situationen die Hand aus, weil seine Auffassung von männlicher Ehre, Respekt und Stolz vergiftet ist vom ungeklärten Verhältnis mit seinem Vater. Aber Freund Arafat (Moritz Bleibtreu) hat eine Idee.

"Zeiten ändern Dich" ist immer dann am besten, wenn es nicht um Prügeleien geht, sondern etwa um kreatives Arbeiten mit Vorurteilen: Als Anis seine Mutter überreden will, ihm 450 Mark für seinen ersten Drogendeal zu geben, bringt er das Argument, der Westen würde Haschisch nur verbieten, um die arabische Welt zu demütigen. Diese dreiste, aber irgendwie gewinnende Art kommt im Film leider zu kurz. Im Mittelpunkt steht stattdessen eine Hauptfigur, die sich voller Groll gegen den Vater und mit einem zeitweise kurios erscheinenden "Respekt!"-Problem durchs Leben kämpft. Ein Leben, in dem wenig passiert. Zumindest scheint es so, denn selbst für eine Eichinger-Produktion plätschert die Sache zuweilen recht beschaulich dahin. Sicher verdichten sich hier und da bestimmte Konflikte um die Figur Bushido in pointierten Sprüchen ("Dafür, dass mein Image so scheiße ist, habt ihr aber 'ne Menge Geld verdient!"), aber Szenen und Figuren bleiben oft holzschnittartig.

Regisseur Uli Edel, der zuletzt für seinen Kumpel Bernd Eichinger mit "Der Baader Meinhof Komplex" das Thema deutscher Terrorismus zum Event-Movie umstrickte, tritt hier völlig hinter dem Produzenten zurück. So sehr, dass er noch nicht einmal in den wenigen Augenblicken aufpasst, wenn es wirklich nötig gewesen wäre: dass er Uwe Ochsenknecht sich selbst und seinen Freilichttheaterkünsten überlässt, ist ja noch lustig. Aber dass er eine der wenigen Szenen, die das Potenzial zur Intensität hätten – Bushidos Freundin macht Schluss, sie beleidigt ihn, er schlägt sie – so hölzern herunterspielen lässt, ist schon ärgerlich.

So kommt "Zeiten ändern Dich" stilistisch gefährlich nahe an ein Fernsehspiel heran. Etliche Chancen, den Künstler mit Ecken und Kanten zu inszenieren, werden vertan. Der dichte und spitzbübische Einblick in sein Leben, den Bushido mit seiner eigenen Buch-Biografie gegeben hat, wird hier mehr oder minder heruntergebrochen zu einer simplen Nummernrevue à la "Vom Saulus zum Paulus". Da wäre sicherlich mehr drin gewesen.
Ernst Kramer

Zeiten ändern Dich, Deutschland 2009, Regie: Uli Edel, Buch: Bernd Eichinger nach Bushidos Biografie, mit Bushido, Moritz Bleibtreu, Karoline Schuch, Elyas M'Barek, Hannelore Elsner, Katja Flint u. a., 94 min, Kinostart: 4. Februar 2010 bei Constantin

Foto: Verleih


www.zeiten-aendern-dich.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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