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Ein Sommer in New York - The Visitor

Film mit Botschaft

Kinostart: 14.1.2010 | Andreas Busche | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Thomas McCarthys zweiter Spielfilm "Ein Sommer in New York - The Visitor" verschafft Richard Jenkins, bekannt geworden durch die Rolle des (toten) Familienvaters in der TV-Serie "Six Feet Under", endlich die längst überfällige Hauptrolle – und Jenkins zeigt eindrucksvoll, warum er seit Jahren als einer der besten Nebendarsteller Hollywoods gehandelt wird. Sein Walter Vale ist der ruhende Gegenpol zum leicht empörten Tonfall, der McCarthys Film durchzieht. Walter arbeitet als Wirtschafts-Professor und ist seit dem Tod seiner Frau des Lebens überdrüssig. Die Sorgen seiner Studenten/innen interessieren ihn nicht und den Kontakt zu seinen Mitmenschen hat er weitgehend abgebrochen. Als er eines Tages in seiner leeren Zweitwohnung in New York den jungen Syrer Tarek und seine senegalesische Freundin Zainab vorfindet, sieht er sich jedoch gezwungen, sich wieder mit der Realität auseinander zu setzen.

Das Pärchen lebt illegal in den USA, und Walter lässt sich dazu hinreißen, den beiden Unterschlupf zu gewähren. Langsam findet er Gefallen an seinen neuen Hausgenossen. Und er entdeckt ein Gefühl, das er vor langer Zeit scheinbar verloren hat: Verantwortung. Tarek bringt Walter sogar das Trommeln bei. Aber die politischen Verhältnisse holen ihre Freundschaft schnell ein. Eines Tages wird Tarek von den Einwanderungsbehörden aufgegriffen und in Abschiebehaft genommen. Walter bleibt sein einziger Kontakt zur Außenwelt. Kurz darauf steht auch noch Tareks Mutter Mouna, gespielt von Hiam Abbass, vor der Tür. Gemeinsam versuchen sie, juristisch gegen Tareks Abschiebung vorzugehen. 

McCarthy, der dem amerikanischen Independentkino schon mit "The Station Agent" ein erfolgreiches Konsens-Feelgood-Movie bescherte, lässt in "The Visitor" kaum ein Klischee aus. Sein Plädoyer für kulturelle Verständigung wirkt reichlich naiv – politisches Kino, wie man es nach 9/11 verstärkt aus den USA zu sehen bekommt. In "Ein Sommer in New York - The Visitor" kommt zur nationalen Selbstheilung noch die private hinzu. Am Schicksal des Jungen aus dem Schurkenstaat fasst Walter neuen Lebensmut. Das ist im Grunde unerträglich, würde Jenkins seine Rolle nicht mit solch einer Zurückhaltung spielen. Die sich anbahnende Freundschaft mit Mouna handhabt er wie ein Gentleman, glücklicherweise meidet hier McCarthy romantische Anwandlungen. In ihren gemeinsamen Szenen ist sein Film letztlich viel klüger als in den Momenten, in denen er seine Kritik an den politischen Verhältnissen plakativ zuspitzt. Jenkins und Abbass machen verständlich, dass hinter jedem politischen Skandal auch ein persönliches Schicksal steht.
Andreas Busche

(The Visitor), USA 2007, Buch & Regie: Thomas McCarthy, mit Richard Jenkins, Hiam Abbass, Haaz Sleiman, Danai Gurira, Marian Seldes u. a., 108 min, Kinostart: 14. Januar 2010 bei Pandastorm Pictures

Foto: Verleih


www.thevisitorfilm.com
Website zum Film (englisch)
www.pandastorm.com/visitor
Website zum Film (deutsch) 
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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