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Nanga Parbat

Mehr als nur ein Berg

Kinostart: 14.1.2010 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Der Nanga Parbat im pakistanischen Teil des Himalaya hat einen Ruf als einer der gefährlichsten Berge der Welt. Generationen von Bergsteigern, darunter viele Deutsche, wollten die 8.125 Meter bis zum Gipfel bezwingen. Die meisten kamen nicht hinauf, ein paar auch nicht mehr hinunter. Im Jahr 1970 gelang dem damals 25-jährigen Südtiroler Reinhold Messner die Besteigung, doch auf dem Rückweg verlor er unter dramatischen Umständen seinen jüngeren Bruder Günther. Was geschah wirklich am Nanga Parbat? Als professioneller Extrembergsteiger, der als Erster sämtliche Achttausender erklomm und sich seine Expeditionen durch Sponsorenverträge sowie den Verkauf von Büchern finanzierte, wurde Messner zum weltweit geachteten Abenteurer und beliebten Talkshowgast. Aber diese Frage ist er bis heute nicht losgeworden. Kritiker sprechen von Leichtsinn, tödlichem Ehrgeiz oder gar Schuld. Messner übernahm stets Verantwortung für den Tod des Bruders, begann aber irgendwann damit, die Schuld anderen zuzuweisen.

Fast zwangsläufig steht "Nanga Parbat" unter dem Verdacht der Reinwaschung. Regisseur Joseph Vilsmaier ("Schlafes Bruder", "Bergkristall") macht sich nicht nur die Sicht Reinhold Messners zu eigen, der einzige Zeuge wurde auch als Berater engagiert. Gezeigt wird die Kindheit der Brüder, die schon am heimatlichen Hausberg stets gemeinsam kraxeln. Die Expedition von 1970 schließlich wird von Dr. Karl Maria Herrligkoffer (Karl Markovics) geleitet, einem Bergfanatiker ganz alter Schule. Die Nazi-Diktion vom "deutschen Schicksalsberg" ist noch in vielen Köpfen. Für Reinhold (Florian Stetter) und Günther (Andreas Tobias) hingegen ist Bergsteigen ein bisschen wie Rock'n'Roll. Jugendlicher Individualismus geht ihnen vor Kollektivgeist. Alte Seilschaften, am Berg kein ganz schlechtes Konzept, sind nicht ihr Ding. Während die gehorsameren Expeditionsteilnehmer auf besseres Wetter warten, wagt Reinhold den Alleinaufstieg. Der weniger geübte Günther steigt ihm ohne Ausrüstung nach. Der Rest ist bekannt, wenn auch in unterschiedlichen Versionen.

In typischer Vilsmaier-Manier überwindet der Held nicht nur den Berg, sondern auch den Größenwahn der deutschen Volksgemeinschaft. Mit dieser Erzählung – und natürlich mit grandios gefilmten Bergpanoramen – steht der Film paradoxerweise ganz in der Tradition des deutschen Bergsteiger-Dramas, ein Klassiker seit den 1930er-Jahren. Ein Berg ist eben nie nur ein Berg. Das Genre zu hinterfragen, gelingt Vilsmaier trotz einiger Bemühungen nicht. Zu schlicht sind ihm Figuren und Drehbuch geraten. Was die strittigen Fakten angeht, bleibt selbst bei gutem Willen ein schaler Nachgeschmack. Denn auch dieser Film ist eben nicht nur ein Film. Man kann Beteiligte durch Bücher denunzieren – oder durch einen unbarmherzigen Kamerablick. Der Versuch, Messners subjektive Sicht der Dinge als solche zu kennzeichnen, ist damit hinfällig. Die Geschichte ist leider zu wahr, um schön zu sein.
Philipp Bühler

Nanga Parbat, Deutschland 2009, Regie: Joseph Vilsmaier, Buch: Michael Rentsch, mit Florian Stetter, Andreas Tobias, Karl Markovics, Julie Ronstedt u. a., 104 min, Kinostart: 14. Januar 2010 bei Senator

Foto: Verleih


http://nangaparbat.senator.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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