1/2 Miete

Gebrauchsanleitung für die moderne Welt

Kinostart: 1.1.2004 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken
"Komisches Hobby, das Sie da haben. Aber nicht uninteressant.", sagt der Autor zu dem jungen Mann, der sich in fremder Leute Wohnungen schleicht, um dort den Kühlschrank zu füllen, Schachfiguren zu verrücken oder das Drehbuch des ratlosen Schriftstellers auf Vordermann zu bringen. In gewisser Weise gilt die Einschätzung auch für "1/2 Miete". Es ist ein seltsamer Film, eher ein Konzept, der aber aus seiner unfertig wirkenden Digitalästhetik einen eigentümlichen Charme entwickelt.
Bei dem jungen Mann handelt es sich um Peter, einen Berliner Hacker. Bis vor kurzem lebte er vom Verkauf gestohlener Firmendaten. Als die Sache zu heiß wird, flieht er, nur mit Skateboard und Laptop bewaffnet, nach Köln. Was ihn zu seinem neuen Hobby treibt, wird nie ganz klar, doch auf faszinierende Weise bietet das Spiel mit dem Unheimlichen eine Gebrauchsanleitung für die moderne Welt. Jeder Hack in die Intimsphäre seiner Mitmenschen ist für Peter ein weiterer Schritt von einer digitalen zur analogen Existenz. Er findet das wahre Leben - und schließlich sogar die wahre Liebe. So transzendiert der Berliner Regisseur Marc Ottiker ziemlich aktuell die Heimatlosigkeit der Netzgemeinde nach dem Verlust des digitalen Traums. Interessant und amüsant ist neben witzigen Milieuschilderungen eine kleine Utopie: Das Ende der Einsamkeit liegt hinter der nächsten Tür. Du brauchst nur noch den passenden Schlüssel dazu.
Philipp Bühler

1/2 Miete, Deutschland 2002, Buch und Regie: Marc Ottiker, mit Stephan Kampwirth, Doris Schretzmayer, Thomas Kapielski, Sven Pippig, Alexander Beyer, Natascha Bub, Christoph Krix, Martin Ecker, Kinostart: 1. Januar 2004 bei Neue Visionen

Foto: Verleih


www.halbemiete.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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