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Beschaulich könnte man Hélènes (Sandrine Bonnaire) Leben nennen. Oder auch langweilig. Sie hat jung geheiratet und ist ihrem Mann nach Korsika gefolgt. In einem kleinen Hotel arbeitet sie als Zimmermädchen und putzt außerdem bei Dr. Kröger (Kevin Kline), einem schrulligen älteren Herrn. Ihrer mittlerweile 15-jährigen Tochter ist das peinlich. Sie will so schnell wie möglich aufs Festland und mehr vom Leben haben als ihre Mutter, die auch so gar keine Ansprüche zu haben scheint, außer vielleicht, die Eheroutine mit ihrem Mann Ange (Francis Renaud) ein wenig zu beleben. Beim Saubermachen beobachtet Hélène eines Tages ein frisch verliebtes Paar, das selbstvergessen und zärtlich miteinander Schach spielt. Dieser Anblick löst in ihr längst vergessen geglaubte Sehnsüchte aus und sie beginnt sich auch für das Spiel zu interessieren. Ihrem Mann schenkt sie zum Geburtstag deswegen auch ein elektronisches Schachbrett, mit dem jedoch sie selbst jede freie Minute verbringt. Schließlich bittet sie Dr. Kröger, ihr das Spiel richtig beizubringen, was der aus einer Laune heraus zusagt und bald erkennt, dass er in Hélène ein hochbegabtes Naturtalent vor sich hat.
Für Caroline Botteros melancholischen Debütfilm "Die Schachspielerin" diente der gleichnamige Erfolgsroman von Bettina Heinrichs als Vorlage. Es ist eine schöne Ironie, dass sich ausgerechnet eine nicht sonderlich gebildete, proletarische Putzfrau zur Meisterin des Spiels der Könige mausert, denn am Ende gewinnt Hélène sogar ein Turnier. Und nicht nur das. Je mehr sie vom Spiel begreift, wächst ihre Leidenschaft dafür, und es eröffnet sich ihr außerdem eine neue Welt. Ihre Begeisterung wirkt sich allmählich auch auf ihr gesamtes Leben aus, was nicht nur ihrem Mann verdächtig vorkommt. Sie nimmt die Dinge um sie herum, wie die Landschaft, wieder wahr, genauso wie ihre eigenen von neuem erwachten Bedürfnisse, was beinahe die Familie zerstört, aber nur beinahe. Sandrine Bonnaire spielt Hélènes Wandlung vom erstarrten Putzmäuschen zur selbstbewussten Virtuosin des Königsspiels mit einer wunderbaren Intensität und Glaubwürdigkeit, die alle anderen Darsteller/innen ein wenig blass aussehen lässt, was auch daran liegt, dass ihre Figuren zu wenig Leben haben. Das macht aber die behutsame Inszenierung Botteros wieder wett. Am Ende macht sich Hélène auf nach Paris zu einem Turnier und damit auch zu buchstäblich neuen Ufern. Leichten Herzens tut sie es aber nicht.
Ingrid Beerbaum
(Joueuse) Frankreich, Deutschland 2009, Buch & Regie: Caroline Bottaro nach dem Roman von Bettina Heinrichs, mit Sandrine Bonnaire, Kevin Kline, Francis Renaud, Jennifer Beals, Valérie Lagrange u. a., 97 min, Kinostart: 7. Januar 2010 bei Concorde
Foto: Verleih
www.joueuse-lefilm.comWebsite zum Film (französisch)
www.filmportal.deInfos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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