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Eine Münchner Dachgeschosswohnung zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Ein Tisch, zwei Stühle, ein Spiegel. Die Jüdin Luisa (Kirstin Fischer) hält sich hier versteckt, die Einsamkeit ist kaum zu ertragen. Ab und zu besucht sie ihr Ehemann, sein Kommen und Gehen darf niemand bemerken. Die Nachbarn/innen kann man nicht sehen, nur hören. Sie reden Bayerisch, heißen Reichenberger oder Niedermeyer und führen das ganz normale Leben potenzieller Denunzianten/innen. Jede Stimme, jeder Schritt im Treppenhaus signalisiert Gefahr. Erst das plötzliche Auftauchen der Schauspielerin Judith (Eva Wittenzellner) löst Luisa aus der totalen Isolation. Sie nennt sich Widerstandskämpferin, ist vielleicht eine Rivalin um den Mann, vielleicht auch nur Einbildung, in jedem Fall eine Kameradin. In ihrer Fantasie verlassen sie die dürftige Behausung, träumen sich als glamouröse Persönlichkeiten in ein verbotenes Nachtleben und warten auf das Ende.
"Das Zimmer im Spiegel" ist ein besonderer Film, der aus kleinen Mitteln großes Kino schafft. Möglich macht das die Produktionsfirma Schattengewächs, die gegründet wurde, um abseits geförderter Strukturen neue Wege des Fantastischen und Unbewussten zu öffnen. So erzählt Regisseur Rudi Gaul keine weitere "wahre Geschichte" aus der Zeit des Nationalsozialismus, er will das Gefühl der existenziellen Bedrohung, des Eingesperrtseins in unerträgliche Zusammenhänge subjektiv nachempfinden. Der ganze Film spielt in diesem winzigen Zimmer, aber eigentlich in Luisas Kopf. Die an der Ästhetik der Weimarer Republik geschulten Bilder erlauben die Flucht in Traumwelten und vermitteln damit die bittere Wahrheit entgangenen Lebens. In diesem imaginierten Leben erfüllt sich Luisas Sehnsucht nach Literatur, Musik und Tanz. Sie folgt ihrem Bedürfnis, sich zu schminken und elegant zu kleiden. Und begleitet Judith in verruchte Jazzkeller, die es in der schmutzigen Realität längst nicht mehr gibt.
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