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John Sayles ist so etwas wie der amerikanische Ken Loach ("It's a Free World"), das gute Gewissen des Independentkinos, das seit inzwischen zweieinhalb Jahrzehnten Sozialparabeln über den US-amerikanischen Imperialismus, Rassismus, die Arbeiterklasse und gesellschaftliche Verantwortung dreht. In den vergangenen Jahren tendierte er zu leicht plakativen Schilderungen eigentlich komplexer Zusammenhänge. "Casa de los Babys", der mit gut sieben Jahren Verspätung nun in den deutschen Kinos anläuft, ist so ein Fall.
"Haus der Babys" lautet der Spitzname eines Hotels in einem namenlosen südamerikanischen Land, in dem sechs amerikanische Frauen auf die Freigabe ihres Adoptivkindes warten. Doch die bürokratischen Mühlen mahlen langsam. Ihre Zeit verbringen sie am Strand, an der Hotelbar, beim Sightseeing oder mit langen Gesprächen. Nur langsam beginnt der Zuschauende etwas über die Geschichten der Frauen zu erfahren, dennoch reicht es für nicht mehr als ein paar handfeste Klischees.
Die Besetzung von "Casa de los Babys" versammelt einige der besten Darstellerinnen des Independentkinos (Maggie Gyllenhaal, Lily Taylor, Darryl Hannah, Marcia Gay Haden, Mary Steenburgen); man würde sich nur wünschen, Sayles hätte ihnen besseres Material zur Hand gegeben. Die Figuren bleiben so konturlos wie ihre inneren Konflikte. Es gelingt ihm nur selten, den Frauen wirklich nahe zu kommen – sei es, weil sie extrem unsympathisch rüberkommen (Haden), reichlich naiv gezeichnet sind (Gyllenhaal) oder bis zum Ende verschlossen bleiben (Taylor). Ausgerechnet der unbekanntesten Darstellerin kommt die Schlüsselszene des Films zu, die mehr über die Sehnsüchte der werdenden Adoptivmütter verrät als der morgendliche Kaffeetratsch oder Sayles belehrende Parallelmontagen. Susan Lynch als Eileen verrät dem Zimmermädchen Asunción ihren Traum, mit ihrer zukünftigen Tochter im Schnee zu spielen. Asunción wiederum erzählt von ihrer eigenen Tochter, die sie zur Adoption freigeben musste. Sie verstehen die Sprache der anderen nicht, aber für einen Moment sind sie über alle kulturellen Gegensätze hinaus miteinander vereint.
Sayles beobachtet sehr skeptisch die Projektionen amerikanischer Familien, sich Adoptivkinder in den Ländern des Südens zu suchen (Madonna and Angelina Jolie lassen grüßen!), auch weil er dahinter Egoismus und kulturelle Bevormundung vermutet. Die Frauen verstehen ihre Gastgeber als reine Dienstleister. Aber Sayles reißt zu viele Probleme an, als dass sein Film die komplizierten Verhältnisse zwischen den Frauen, den Kulturen und den gesellschaftlichen Umständen in den jeweiligen Ländern verständlicher machen könnte. Gut ist manchmal halt das Gegenteil von gut gemeint.
Andreas Busche
Casa de los Babys, USA, Mexiko 2003, Buch & Regie: John Sayles, mit Marcia Gay Harden, Susan Lynch, Daryl Hannah, Mary Steenburgen, Lili Taylor, Maggie Gyllenhaal u. a., OmU, 95 min, Kinostart: 31. Dezember 2009 bei Peripher
Foto: Verleih
www.peripherfilm.de/casadelosbabysWebsite zum Film (deutsch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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