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Im Jahr 1949 ist der Urwalddoktor Albert Schweitzer (Jeroen Krabbé) längst ein berühmter Mann. Seine Popularität beschert ihm Spenden aus der ganzen Welt, sein Krankenhaus im afrikanischen Lambarene kann sich gerade noch halten. Gleichzeitig häufen sich mysteriöse Vorfälle. Ist der große Humanist ins Visier der Geheimdienste geraten? Auslöser könnte sein Briefwechsel mit Albert Einstein (Armin Rohde) sein, der den Freund seit längerem um eine Stellungnahme im Kampf gegen die Atombombe fordert. In den USA gilt Einstein als Kommunist, Schweitzers Bemühen um politische Neutralität ist nicht unbegründet. Folgt er seinem humanitären Gewissen, gefährdet er sein afrikanisches Unternehmen und damit das Wohl seiner Patienten/innen.
Für sein Porträt des Manns mit dem Tropenhelm wählt Gavin Millar einen geschickten Zugang. Dass selbst ein Albert Schweitzer zum Ziel von Verleumdungen wurde, mag in dessen Biografie eine Fußnote sein. Doch im Kontext von Kaltem Krieg und antikommunistischer Paranoia zeigt sich sein simpel klingendes Motto "Ehrfurcht vor dem Leben" in seiner ganzen politischen Dimension. Es ist eben nicht leicht, ein "Gutmensch" zu sein. Dabei war der spätere Friedensnobelpreisträger – nebenbei Theologe, Philosoph und Organist – von Selbstgefälligkeit keineswegs frei. Der Film zeigt ihn als jovialen Patriarchen, der die Verehrung seiner afrikanischen Schützlinge durchaus genießt. Neben Armin Rohde als Einstein erweist sich der Holländer Jeroen Krabbé hier als geniale Besetzung.
Natürlich sind es die kleinen menschlichen Schwächen, die das Bild eines wirklich großen Mannes erst richtig abrunden. Insofern kann Millar wenig falsch machen, wenn er zugunsten des Humors auf das ganz große Pathos verzichtet. Überhaupt werden, trotz einer insgesamt konventionellen Inszenierung, die klassischen Fallen eines Biopics ausgelassen. Wie der Universalgelehrte aus dem Elsass zum guten Mensch von Lambarene wurde, interessiert den Film nur am Rande. Statt vieler Rückblenden sieht man seine Frau Lene und Tochter Rhena, die den großen Albert gelegentlich an den Preis der Wohltätigkeit erinnern: Wer die ganze Menschheit retten will, übersieht oft die, die ihm am nächsten stehen. Im Übrigen muss auch Schweitzer irgendwann einsehen, dass ein Engagement wie das seine die Unabhängigkeit Afrikas nicht unbedingt weiterbringt. Die Lepraklinik von Lambarene, im heutigen
Gabun, gibt es trotzdem noch – das bleibende Erbe eines Mannes, ohne den die heutige Friedens- und Umweltbewegung kaum denkbar wäre.
Philipp BühlerAlbert Schweitzer - Ein Leben für Afrika, Deutschland, Südafrika 2009, Regie: Gavin Millar, Buch: David Howard, Gavin Millar, mit Jeroen Krabbé, Barbara Hershey, Judith Godrèche, Samuel West, Jeanette Hain u. a., 114 min, Kinostart: 24. Dezember 2009 bei NFP
Foto: Verleih
www.albertschweitzer-derfilm.deWebsite zum Film (deutsch)
www.filmportal.deInfos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
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www.visionkino.deFilmtipp von Vision Kino, Netzwerk für Film und Medienkompetenz
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