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Liebeslied

Wenn das Zittern nicht aufhört

Kinostart: 10.12.2009 | Jenni Zylka | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Der selbstständige Zimmermann Roger (Jan Plewka) lässt auf dem Bau eine Betonladung danebengehen und sorgt für Chaos: Seine immer öfter zitternden Hände sind ein von ihm lang ignoriertes Anzeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Roger hat Parkinson, eine auch als "Schüttellähmung" bekannte neurologische Erkrankung.

Die Furcht, sich seiner Frau und den Kindern mitzuteilen, ist bei Roger so groß, dass es in der Familie ebenfalls zur Katastrophe kommt. Rogers Frau Dinah (Nicolette Krebitz) erlebt ein Wechselbad der Gefühle, bis sich endlich ausgesprochen wird. Besser gesagt ausgesungen. Denn "Liebeslied" ist ein Musical, und das bedeutet, dass in emotional fordernden Situationen (von denen es in Familien-Krankheitsdramen naturgemäß eine Menge gibt) innegehalten und alles mit Musik gesagt, umrahmt und untermalt wird. Das ist in diesem Fall nicht so schlimm, denn Selig-Sänger Jan Plewka, der die meisten Songs zusammen mit seinem Bandkollegen Christian Neander, einige auch mit Krebitz geschrieben hat, ist ein versierter Rocksänger, den man vielleicht nicht mögen kann, der aber für eine tadellose Deutschrockattitüde steht. Und Nicolette Krebitz schafft es ebenfalls, die oft beängstigend schlageraffinen Texte ("In jeder Dunkelheit ein Licht / schau hinauf für dich und mich") so nonchalant zu singen, dass sich einem die Fußnägel nicht ganz so stark aufrollen. Schwierig ist aber, dass auch bei "Liebeslied" das typische Musicalproblem auftaucht: Üblicherweise sind Songs um die drei Minuten lang, und in dieser Zeit bleibt die Handlung stehen.

Im Endeffekt passiert bei "Liebeslied" darum so wenig, dass der Spannungsbogen tatsächlich eher für ein Kurzfilmformat passend gewesen wäre: Roger findet heraus, dass er Parkinson hat, sagt es irgendwann seiner Frau und den Kindern, alle müssen sich dran gewöhnen, Rogers Tochter kommt dabei fast zu schaden, weil er einen Lähmungsanfall hat, aber am Ende versuchen alle, mit der Krankheit zu leben. Die Songs, die während dieser Krankheitsgenese runtergesungen werden, sind harmlos und insofern nicht stark genug, um einen bei der Strecke zu halten (beim recht kitschigen Sohn-Lament "Papa, geh' nicht weg" muss man sogar schaudernd weghören). So bleibt "Liebeslied" ein mutiges Experiment, das genau schauen muss, in welchen Kreisen es nach Publikum sucht. Lieber hätte man etwas mehr Handlung gehabt und etwas weniger "Häng' mit mir rum / wenn die Sonne scheint / auch bei Nacht und Nebel / will ich bei dir sein".
Jenni Zylka

Liebeslied, Musical-Film, Deutschland 2009, Buch & Regie: Anne Høegh Krohn, mit Jan Plewka, Nicolette Krebitz, Oliver Bröcker, Stephanie Kämmer, Markus Lerch u. a., 91 min, Kinostart: 10. Dezember 2009 bei Zorro

Foto: Verleih


www.zorrofilm.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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