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Die Empörung über den zu hellen Buntstift ist eine herrlich-dämliche Anekdote um die Entstehung von Disneys neuem Kinderfilm "Küss den Frosch": Die Protagonistin im klassisch handgezeichneten Werk, das sich extrem lose an den "Froschkönig" anlehnt, sei lobenswerterweise zwar endlich mal schwarz, aber nicht schwarz genug, hieß es im Vorfeld aus manchen afro-amerikanischen Communities.
Dabei ist die fleißige, arme Köchin Tiana, die den faulen, oberflächlichen Prinzen und Musiker Naveen erst einmal vom Ernst des Lebens überzeugen muss, ohnehin meistens weder hell- noch dunkelbraun, sondern quietschegrün: Ziemlich zu Anfang werden Naveen und Tiana von einem bösen Vodoo-Zauberer in Frösche verwandelt. Auf dem Weg zur guten, hoffentlich hilfreichen Voodoo-Magierin, der den größten Teil des märchenhaft-musikalischen Roadmovies ausmacht, finden sie neue Freunde – und selbstverständlich irgendwann auch die Liebe zueinander. Ein Märchen ist eben ein Märchen und keine Überraschungstüte. Trotzdem ist "Küss den Frosch" mit seiner New-Orleans-Stimmung, den Randy-Newman-Songs, dem verknallten Cajun-Glühwürmchen Ray, dem jazzliebenden Alligator Louis und dem zumindest in Setting und Personal angedeuteten Bewusstsein für die schwarz-weißen Konflikte des südlichen Bundesstaates ein angenehm moderner Retro-Film.
Schließlich ist es das erste Mal, dass die Unterschiede zwischen den märchentypischen armen und reichen Protagonisten/innen tatsächlich auf einem realen und diskursiven Hintergrund fußen und diesen auch mehr oder weniger benennen. Das macht "Küss den Frosch" noch nicht zu einem Vorzeigefilm des Black Movements in den USA. Aber während im klassischen Grimms Märchen die "arme Bauerntochter" normalerweise am Ende immer nur durch ihre Schönheit und die darauf aufbauende Liebe des Prinzen reich wird – auch im Froschkönig-Original, in dem das Tümpeltier bekanntlich nicht geknutscht, sondern an die Wand geklatscht wird, kriegt die Prinzessin den Kerl, weil sie so schön ist –, wird bei Disney viel Wert auf die Aussage "Live your dreams" gelegt: Tiana kommt aus einer schwarzen Arbeiterfamilie und ist das fleißigste und arbeitsamste Mädchen, das man sich nur denken kann. Und allein dank ihrer Kochkünste wird das Restaurant, das sie nach bestandenem Abenteuer eröffnet, denn auch zum Renner. Der Prinz dagegen ist süß und musikalisch, aber eigentlich bettelarm. Am Ende sind alle bessere Menschen geworden, wie es im Märchen so üblich ist, und man hat ihnen ausgesprochen gern dabei zugeguckt.
Jenni Zylka
(The Princess and the Frog) Animationsfilm, USA 2009, Regie: Ron Clements, John Musker, Buch: Ron Clements, Rob Edwards, 97 min, Kinostart: 10. Dezember bei Disney
Foto: Verleih
disney.go.com/disneypictures/princessandthefrogWebsite zum Film (englisch)
www.disney.de/kuss-den-froschWebsite zum Film (deutsch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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