Das Orangenmädchen

Von der Philosophie der Liebe

Kinostart: 10.12.2009 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Die Liebe – schnöde Hormonstörungen reichen Romantikern als Erklärungsmodell nicht aus. Liebe kann nur Schicksal sein – wenn nicht mehr. Ähnlich ergeht es Jan Olav in "Das Orangenmädchen" der norwegischen Regisseurin Eva Dahr. Da fährt er so einfach mit der Straßenbahn durch Oslo und kann dabei seine Augen nicht von einer mit Orangen bepackten jungen Frau lassen – so viel zum Filmtitel. Doch bis er die richtigen Worte findet, ist sie auch schon verschwunden. Jan Olav indes weiß nur eines: die oder keine. Jahre sind vergangen, da schreibt Jan Olav auf, wie diese Episode weiterging. Drei Briefe macht er daraus, die sein Sohn Georg zu seinem 16. Geburtstag erhalten soll. Dann wird Jan Olav bereits gestorben sein, doch seine Geschichte und all seine Gedanken dazu könnten wichtig sein für Georgs weiteres Leben.

Georg verlor den Vater, als er sechs Jahre alt war, und ist noch immer wütend darüber. Daher will er dessen Briefe erst gar nicht lesen, als er sich aufmacht, um mitten im Winter einsam im Norden einen Kometen zu beobachten. Sternenguckerei – das hat er mit seinem Vater gemein und noch einiges mehr, das er allerdings erst nach der Lektüre der Briefe verstehen lernt.
So betrachtet ist "Das Orangenmädchen" ein schöner besinnlicher Film über eine schmerzlich fragmentarische Vater-Sohn-Beziehung mit dem richtigen Maß für Zeitsprünge und Spannung. Aber "Das Orangenmädchen" ist auch ein Weltbestseller von Jostein Gaarder ("Sophies Welt"). Und: Der Roman ist bei weitem nicht so leichtgewichtig, wie der Film vermittelt. Denn kennzeichnend für diesen norwegischen Autoren ist der philosophische Mehrwert seiner Texte. Den reduziert der Film leider auf einen lächerlichen unterhaltungskompatiblen Rest. Nach Gaarder kann sich die Schönheit des Lebens zwar in einer Liebesgeschichte ausdrücken, vorausgesetzt die Beteiligten sind in der Lage ihr Potential zu erkennen und sich entsprechend zu verhalten. Die väterlichen Briefe wollen eine Anleitung zum Leben sein, die der Film-Georg leider sofort auf seinen Flirt mit einer Ski-Langläuferin auf ihre Tauglichkeit überprüft. Das Rätseln über die Liebe war im Roman zugleich ein Nachdenken über ethische Fragen. Der Film hingegen kreist um die Liebe als solches, und das wird irgendwann leider krampfig.
Cristina Moles Kaupp

(Appelsinpiken) Norwegen, Deutschland, Spanien 2009, Regie: Eva Dahr, Buch: Axel Helgeland nach einer Romanvorlage von Jostein Gaarder, mit Annie Dahr Nygaard, Mikkel Bratt Silset, Harald Thompson Rosenstrøm u.a., 88 min, Kinostart: 10. Dezember bei Neue Visionen

Foto: Verleih


www.orangenmaedchen.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
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Infos zum Film in der Internet Movie Database
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Mehr Artikel zum Film
www.visionkino.de
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