Image 24135
Eigentlich hatte James Cameron vor zwölf Jahren das Treatment für "Avatar - Aufbruch nach Pandora" längst fertig, als er für "Titanic" (1997) mit Oscars® überschüttet wurde. Nur überstieg aber das, was sich der Blockbuster-Spezi für sein Nachfolgeprojekt des erfolgreichen Schiffsuntergangsepos' vorstellte, bei weitem die damaligen Möglichkeiten. Technisch? Waren seine Ideen noch nicht umzusetzen. Und die Kosten? Hätten mehr als jedes andere seiner Big-Budget-Projekte den finanziellen Rahmen gesprengt. Also verschwand Cameron erst mal für über ein Jahrzehnt von der Bildfläche, tauchte nur gelegentlich mit Dokus – etwa über das Schiffswrack der Titanic – wieder auf und bastelte derweil an der für "Avatar" notwendigen Technik. Der besessene Kanadier, der schon immer eine ausgeprägte Effektverliebtheit hatte und für Filme wie "The Abyss" (1989) oder "Terminator 2" (1991) den State-of-the-Art der Digital-Tricks neu definierte, hat mit diesem Projekt schließlich wieder mal Großes im Sinn: Seine Sci-Fi-Fantasy über einen querschnittsgelähmten Ex-Marine, der in einen Krieg mit den so genannten Na'vi, den Bewohnern/innen des fernen Planeten Pandora, verwickelt wird, ist lediglich das Vehikel, um die Möglichkeiten des Spektakelkinos auf ein neues Level zu bringen.
Das innere Auge
James Cameron
Damit Cameron sein Vorhaben realisieren konnte, waren neben einer neuen 3D-Technik auch noch einige andere Innovationen notwendig. Maßgeblich war dabei die Weiterentwicklung des so genannten Motion-Capture-Verfahrens, wofür Cameron unter anderem mit der neuseeländischen Trickfirma Weta Digital zusammenarbeitete. Dabei handelt es sich eben um jene Spezialisten, die einst mit ihren Effekten zur "Der Herr der Ringe"-Trilogie globales Kollektivstaunen erzeugt haben. Mit dieser Technik wurden bereits einzelne Figuren lebensecht in Filme integriert: Der schizophrene Gollum aus "Der Herr der Ringe" etwa oder der tentakelköpfige Bösewicht Davy Jones aus "Fluch der Karibik".
140.jpg
Und tatsächlich: In "Avatar" verschmelzen Wirklichkeit und die digitale Animation ununterscheidbar zu einem erstaunlich realen Ganzen. "Ich will die Zuschauer so zum Staunen bringen und sie das verspüren lassen, was ich in der Natur verspüre", erklärte Cameron in Berlin. "Dabei will ich eine Welt zeigen, wie man sie so noch nie gesehen hat." Der rauschende technische Aufwand steht dabei in einem seltsamen Widerspruch zur Botschaft, die der Film transportiert. Schließlich geht es doch zentral nicht nur um eine Kritik am grausamen, ignoranten Umgang mit den Urvölkern, sondern auch um den Einklang des Menschen mit der Natur. "Der Natur wird zu wenig Respekt entgegengebracht", sagte der Regisseur. "Das muss sich schnell ändern, wenn wir dieses Jahrhundert überleben wollen."
Ob es sich bei "Avatar", mit dem das Produktionsbudget in Schwindel erregende Höhen geschraubt wurde (man munkelt, der Film habe 200 Millionen Dollar gekostet), tatsächlich um den bislang teuersten Film aller Zeiten handelt, spielt für Cameron keine Rolle. Der Filmemacher gibt sich im Hinblick auf genaue Zahlen und Superlative ohnehin verschlossen. "Es weiß doch jeder, dass James Cameron teure Filme macht", sagte sein Produzent Landau und Cameron fügte hinzu: "Es macht keinen Unterschied, wie viel ein Film kostet – der Preis einer Kinokarte bleibt derselbe für den Zuschauer. Das ist das beste Schnäppchen, das man machen kann, und es wird immer besser, je mehr dafür ausgegeben wird."
Dass es das Kino trotz viel beschworener Untergangsszenarien eines Tages nicht mehr geben wird, daran glaubt Cameron nicht. "Das Kino wurde immer wieder totgesagt – ob bei der Erfindung des Fernsehens oder der Einführung des Videorekorders", sagte er in Berlin. "Trotzdem gehen die Menschen nach wie vor ins Kino." Und er gehört zu den Filmemachern/innen, die immer wieder versuchen, triftige Verkaufsargumente dafür zu liefern: Als visuelles (3D-)Erlebnis sind es schließlich Filme wie "Avatar", die – trotz der in diesem Fall arg simpel gestrickten Geschichte – eine große Leinwand brauchen und mit denen sich das Kino behaupten kann.
Fotos: Verleih
Sascha Rettig ist Filmjournalist und lebt in Berlin.
Kommentare
Dein Kommentar