t

Whatever Works - Liebe sich wer kann

Selbstironischer Nörgler

Kinostart: 3.12.2009 | Marguerite Seidel | Kommentar schreiben | Artikel drucken

Image 24010

Image 24010

Dieser Woody-Allen-Film ist wie ein gut gereifter Rotwein: Der Geschmack ist im Grunde bekannt, aber hat viele überraschende Noten. Nach vier Filmen in Europa – zuletzt "Vicky Christina Barcelona" – kehrt Woody Allen mit "Whatever Works" zurück in seine Heimatstadt New York, wo die meisten seiner inzwischen über vierzig Filme spielen. Dort hat er ein Fass aufgemacht, das bereits jahrzehntelang in seinem kreativen Keller lagert: Das Drehbuch zu "Whatever Works" schrieb Woody Allen schon zu Zeiten seines legendären "Stadtneurotikers" (1977). Weil der für die Hauptrolle vorgesehene Zero Mostel aber starb, wurde das Projekt damals abgeblasen.

Wie Woody Allen, gerade 74 Jahre alt geworden, aus diesem alten Stoff nun eine frische Komödie herausholt, ist wie immer witzig anzusehen. Allens filmisches Alter Ego, der am Nobelpreis gescheiterte Physiker Boris Yellnikoff, sitzt seine Tage in New Yorker Kneipen ab. Er tut dabei nichts lieber, als in Altherrenrunden über die verfehlte Spezies Mensch zu jammern oder in Schachstunden seine dummen Schüler zu beschimpfen. Eines Tages nistet sich allerdings die junge Ausreißerin Melody bei Boris ein – ein quietschfideles Mädel aus den Südstaaten in bonbonfarbenen Klamotten. Obwohl Melody ihm angeblich geistig vollkommen unterlegen ist und sowieso um Jahrzehnte zu jung, verlieben sich die beiden ineinander. Doch das ist erst der Anfang eines Liebesreigens, in dem Jung und Alt, Homo und Hetero, prüde Landeier und freizügige Großstädter zueinander finden.

Schöne Frauen und chronische Nörgler haben in Woody Allens geschwätziger New Yorker Intellektuellenwelt freilich schon sehr häufig gestritten und geliebt (und deshalb manchmal auch genervt). In "Whatever Works" aber nimmt Allen mit der Zurückgelehntheit eines verdienten Filmemachers sein Werk und sich selbst herrlich auf die Schippe. Wenn sich etwa der Fernsehkomiker Larry David, der die Rolle des alternder Besserwissers Boris mit leidenschaftlichem Biss verkörpert, plötzlich an das Publikum im Kinosaal wendet, dann tut er dies vor allem, um den "Stadtneurotiker" zu persiflieren, der Woody Allen einst als Regisseur und Schauspieler berühmt gemacht hat. Trotz aller Selbstironie, dem gewohnten Sarkasmus und Boris' Dauerpessimismus wirkt "Whatever Works" jedoch immer auch ein bisschen altersmilde. Bereits der Filmtitel kündigt die versöhnliche Botschaft an: Egal, wer wann und warum jemanden liebt, gut ist, was funktioniert. Das kann wie bei Rotwein von Jahr zu Jahr anders sein.
Marguerite Seidel

(Whatever Works) USA, Frankreich 2009, Regie & Buch: Woody Allen, mit Larry David, Evan Rachel Wood, Patricia Clarkson, Ed Begley Jr., Conleth Hill u.a., 92 min., Kinostart: 3. Dezember 2009 bei Central

Foto: Verleih


www.sonyclassics.com/whateverworks
Website zum Film (englisch)
www.whateverworks.centralfilm.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
Mehr Artikel zum Film





Kommentare

Dein Kommentar