Pandora's Box

Wohin mit der Großmutter?

Kinostart: 26.11.2009 | Susanne Gupta | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Eines Tages ist Großmutter Nusret, die in einem Bergdorf am Schwarzen Meer lebt, spurlos verschwunden. Als die Nachricht ihre drei erwachsenen Kinder erreicht, die längst in der Metropole Istanbul leben, machen sie sich auf den Weg zu ihr. Dies ist die Ausgangssituation, aus der die türkische Regisseurin Yeşim Ustaoğlu ein feinfühliges, intensives Familiendrama entwickelt, das sich im Film "Pandora’s Box" mit kontroversen Themen in der heutigen Türkei verbindet und sich zugleich so ähnlich auch im Westen abspielen könnte.

Der Notfall, der die Geschwister zusammengeführt hat, bringt alle verdrängten Konflikte an die Oberfläche: In der Auseinandersetzung miteinander lernen sie sich selbst besser kennen und gegenseitig zu akzeptieren, trotz konträrer Lebensauffassungen. Da ist Güzin, Single und erfolgreiche Geschäftsfrau, die unglücklich in ihrer Beziehung ist, aber eines Tages in der Lage ist, aus der Unzufriedenheit die Konsequenzen zu ziehen. Nesrin, die Älteste, die mit ihrem Mann und Sohn Murat in einer der tristen Trabantenvorstädte für die moderne Mittelschicht lebt, muss ihren Sohn endlich loslassen, damit er eigene Erfahrungen machen kann. Er ist abgehauen und zu seinem Onkel, Mehmet, geflüchtet, der als "Aussteiger" all das verkörpert, was ihre engstirnige Mittelklasse-Moral ablehnt: ein zielloses Leben, zu viel Marihuana und Alkohol, Schulden, keine regelmäßige Arbeit und eine Bruchbude, in der er wie ein Penner haust.
Als sie die Großmutter finden, die an Alzheimer erkrankt ist, und nach Istanbul bringen, versteht die Alte die Welt nicht mehr. Sie will nicht allein sein, nicht fernsehen, pinkelt auf den Teppich, vergisst alles, was man ihr sagt, und läuft weg. Für die Kinder wird klar, dass sie sie nicht behalten können, doch sie zögern, weil das Altersheim als Alternative Gesichtsverlust bedeuten würde. Schließlich kommt es doch so. Einzig der rebellische Enkel Murat hat einen guten Draht zur Großmutter und entführt sie am Ende aus dem Altersheim, um ihren Wunsch – sie nach Hause zu bringen – zu erfüllen.

Tsilla Chelton, 1918 in Paris geboren, ist in Frankreich als Theaterschauspielerin bekannt. Obwohl 90 Jahre alt, hat sie ihre Rolle großartig, mit Humor und viel Einfühlung gemeistert. Nach dem preisgekrönten Film "Reise zur Sonne" über die Kurden in der Türkei ist Yeşim Ustaoğlu mit "Pandora's Box" wieder ein glaubhafter, tiefsinniger und poetischer Film gelungen, an dem sich eine Gesellschaft im Übergang von der Tradition zur Moderne wunderbar studieren lässt.
Susanne Gupta

(Pandora'nin Kutusu) Türkei, Frankreich, Deutschland 2008, Regie: Yesim Ustaoglu, Buch: Selma Kaygusuz, Yesim Ustaoglu, mit: Tsilla Chelton, Onur Ünsal, Derya Alabora, Övül Avkiran, Osman Sonant u.a., OmU, 112 min, Kinostart: 26. November 2009 bei Kairos

Foto: Verleih


www.kairosfilm.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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