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Das Vaterspiel

Virtueller Mord

Kinostart: 26.11.2009 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Der österreichische Regisseur Michael Glawogger hat sich sowohl in seinen Dokumentationen ("Megacities") als auch Spielfilmen ("Slumming") als präziser Beobachter menschlicher Randbezirke erwiesen. Seine Figuren sind Gezeichnete und entziehen sich jedem Versuch der Identifikation. Nun hat er zum ersten Mal eine Literaturvorlage verfilmt, "Das Vaterspiel" seines Landsmannes Josef Haslinger.

Akribisch hat der litauische Jude Jonas Shtrom (Ulrich Tukur) seit Kriegsende alles Beweismaterial über die Hinrichtung seines Vaters im Jahre 1941 gesammelt und geordnet, das er nun fast zwanzig Jahre später einer Untersuchungskommission vorträgt. Er ist sich sicher, dass ein ehemaliger Klassenkamerad im Dienste der Nazis dafür die Verantwortung trägt und mittlerweile unter anderem Namen in den USA untergetaucht ist. Gut dreißig Jahre später erreicht den erfolglosen Computerfrickler Ratz (Helmut Köpping) in Wien ein nächtlicher Anruf aus New York von seiner ehemaligen Kommilitonin Mimi (Sabine Timoteo), die ihn um Hilfe bei einem Kellerausbau bittet. Ihr konnte er noch nie etwas abschlagen, und so macht er sich gleich auf den Weg. Mit im Gepäck hat er sein Computerspiel, das er hofft in New York vermarkten zu können: In dem Spiel ist der eigene Vater der Feind und kann zigfach abgeballert werden. In New York angekommen, erweist sich der kleine Gefallen bald als eine große Aufgabe, denn in dem Keller versteckt sich seit Jahrzehnten Mimis Großvater. Er ist nämlich niemand anderes als der von Jonas Shtrom gesuchte Kriegsverbrecher.

Das Vaterspiel ist eine Geschichte mit etlichen Abgründen und Doppeldeutigkeiten. So geht es nicht nur um den unausgetragenen Vater-Sohn-Konflikt zwischen Ratz und seinem dominanten Vater, einem SPÖ-Politiker (Christian Tramitz), der nur gewaltsam in der virtuellen Welt gelöst werden kann. In seiner Begegnung mit Mimis Großvater wird dieser Konflikt noch einmal überhöht, aber auch endlich ausgetragen. Und nicht zufällig fährt der emotional völlig verwaiste Ratz immer wieder durch leere, schneebedeckte Landschaften. Die verschiedenen Handlungsebenen, jede in eigener Ästhetik, sind geschickt miteinander verwoben, und es gelingt Glawogger auch immer die Spannung zu halten. Dennoch ist dieser Film insgesamt ein wenig zu steril geraten.
Ingrid Beerbaum

Das Vaterspiel, Deutschland, Österreich, Frankreich 2008, Regie & Buch: Michael Glawogger nach einem Roman von Josef Haslinger, mit Helmut Köpping, Sabine Timoteo, Ulrich Tukur, Christian Tramitz, Itzhak Finzi u.a., ab 16, 117 min, Kinostart: 26. November 2009 bei Alamode

Foto: Verleih


www.dasvaterspiel.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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