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Der aus Nazideutschland erfolgreich in die USA emigrierte Regisseur Otto Preminger inszenierte 1958 mit amerikanischem Geld in Cinemascope und Technicolor David Niven und die blutjunge Jean Seberg als libertines Vater/Tochter-Gespann vor dem unwirklichen Blau des Mittelmeeres. Niven gehörte damals schon nicht mehr zu den Jüngsten, dennoch war er in der Rolle des englischen Lebemanns, der sich vor der atemberaubenden Mittelmeerkulisse mit seiner blonden Gespielin (Mylène Demongeot), nicht viel älter als seine eigene Tochter, vergnügt, eine perfekte Besetzung. Wie ein eitler Pfau führt er in "Bonjour Tristesse" seine Blässe spazieren, betont von ein paar kurzen Shorts.
Die wahre Attraktion des Films bleibt jedoch Jean Seberg, deren mädchenhaftes Gesicht unter dem raspelkurzen Jungshaarschnitt die Welt in höchste Verzückung versetzen sollte. Godard sah sie in "Bonjour Tristesse" und engagierte sie vom Fleck weg für "Außer Atem" an der Seite von Jean Paul Belmondo. Der Rest ist (Film-)Geschichte. Seberg war die Entdeckung Premingers.
Ein patziges kleines Mädchen – viel zu frech und frei für die Fünfziger Jahre
Nachdem ihr Filmdebüt als Jeanne d’ Arc ihr von der Kritik einen gnadenlosen Verriss einbrachte, gab Preminger der Seberg mit "Bonjour Tristesse" eine Chance, sich zu bewähren. Nicht unbedingt ihr schauspielerisches Talent, aber ihre Ausstrahlung machte sie über Nacht zu einer Ikone. Ihre Mischung aus teenagerhaftem Aufbegehren, dem Lolita-Look – die meisten Szenen mit Jean Seberg zeigen sie im knappen Bikini – und unterschwelliger Melancholie war für die späten Fünfziger Jahre stilbildend und lieferte das Reizmuster für eine ganze Generation von französischen Schauspielerinnen, allen voran Godards Muse Anna Karina.
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Preminger erzählt die Geschichte in Rückblenden. Die Rahmenhandlung ist, im Gegensatz zu den Riviera-Szenen, in kühlem Schwarzweiß gehalten. Mit diesem Stilmittel nimmt er bereits die Tragödie vorweg. In dem Sommer, der so unbeschwert begann, wird Cecile ihre jugendliche Unschuld verlieren. Das Leben, das für sie keinen Halt kannte, nimmt eine bittere Wendung.
So ähnlich könnte auch die Beschreibung des Lebens von Jean Seberg klingen. Sebergs kurze Karriere war geprägt von Hochs und Tiefs und endete in einem Sumpf aus gescheiterten Ehen, Alkohol, Drogen und wilden Verschwörungstheorien über die Umstände ihres frühen Todes, die Mark Rappaport in seiner Dokumentation "From the Journals of Jean Seberg" nachzeichnet.
In ihrer Heimat, den USA, war Seberg kein Erfolg beschert. In Europa, in Frankreich, lagen ihr die Menschen zu Füßen. Mit dem frühen Erfolg hat sie jedoch nie leben konnen. Sie stürzte sich in selbstzerstörerische Beziehungen und begann in den Sechziger Jahren, sich für die Rechte der amerikanischen Ureinwohner/innen und die Black Panther-Bewegung zu engagieren. Dafür wurde sie zeitweise vom FBI überwacht, das Gerüchte über ihr Privatleben in den Medien lancierte. Jean Seberg führte ein trauriges, unberechenbares Leben - im Grunde prädestiniert für ein Hollywood-Biopic. Dazu ist es nie gekommen. Heute ist sie nur eine von vielen Schauspielerinnen, die an ihrem Erfolg zu Grunde gegangen sind. Wer hätte aber auch ahnen können, dass sie mit "Bonjour Tristesse" ihr eigenes Biopic schon vorweggenommen hat?
Andreas Busche
Fotos: Verleih
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