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Die Päpstin

Höheres im Sinn

Kinostart: 22.10.2009 | Cristina Moles Kaupp | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Rund zehn Jahre dauerte die Vorbereitungszeit für das neueste Leinwand-Großereignis aus dem Hause Constantin ("Das Parfum"). Dann hat Sönke Wortmann ("Das Wunder von Bern") brav vollendet, was einst Volker Schlöndorff angetragen war: Die Bebilderung des Weltbestsellers "Die Päpstin" von Donna Woolfolk Cross. Der Roman zeichnet die Legende der Johanna von Ingelheim nach, die 814 als Tochter eines Dorfpriesters zur Welt kam und es als außerordentlich kluge Frau für kurze Zeit auf den Papst-Thron geschafft haben soll. Bis Johanna dann doch die irdische Liebe entdeckt und sich und ihr Werk in höchste Gefahr bringt. Ein weiblicher Papst? Die Existenz des Johannes Anglicus – so ihr Pseudonym – verweisen Theologen ins Reich der Fantasie, was sonst. Allerdings präsentiert Cross ihre modern anmutende Emanzipationsstory so geschickt als Mixtur aus Verschwörungstheorie, archaischen Gefühlen und unwirtlichen Zeiten, dass man gern an die Existenz dieser fabelhaften Johanna glauben will. Immerhin verkaufte sich ihr Buch allein in Deutschland weit über fünf Millionen Male. Ein Narr wer da nicht auch an klingende Kinokassen denkt. 

Folgsam führt uns Wortmann also in die morastige und harte Finsternis des Mittelalters. Männer dominieren diese Welt, frauenverachtend schmieden sie ihre Ränke. Man hat nichts anderes erwartet – vom Mittelalter nicht, vom Vatikan nicht und schon gar nicht von Sönke Wortmann selbst, der mit keiner eigenen Interpretation dieses Stoffes überraschen kann. Leider auch nicht mit packenden Bildern.

Mag die wunderbare Johanna Wokalek der Titelfigur auch androgyne Züge, gedankliche Schärfe und christliche Demut verleihen – emotional reagiert sie selten. Weder unter den Peitschenhieben des eigenen Vaters, noch bei Demütigungen in der scola, die sie als einziges Mädchen besuchen darf, oder bei der beinah vollzogenen Zwangsehe mit einem Dorfdeppen. Diese Johanna hat bedingungslos Höheres im Sinn; das lässt den Film mit dem 20-Millionen-Budget dann doch irritierend eintönig werden. Er dauert übrigens epische 148 Minuten. Und das mit Bedacht: "Die Päpstin" kommt nicht nur ins Kino, sondern wird auch als TV-Mehrteiler gesendet mit entsprechend getakteten Spannungskurven. Wie hätte wohl Volker Schlöndorff diesen Stoff bearbeitet, wäre er nicht vor zwei Jahren gefeuert worden, weil er künstlerische und finanzielle Vorbehalte gegen diese Art von "Amphibienfilmen" öffentlich äußerte? "Keine einzige Sequenz kann mehr mit der für einen Spielfilm erforderlichen Sorgfalt gedreht werden, immer heißt es, für die Fernsehfassung ist das gut genug," sagte Volker Schlöndorff damals in der Süddeutschen Zeitung. Für Sönke Wortmann war das kein Problem.
Cristina Moles Kaupp

Die Päpstin, Deutschland, England, Italien, Spanien 2009, Regie: Sönke Wortmann, Buch: Sönke Wortmann, Heinrich Hadding nach der Romanvorlage von Donna Woolfolk Cross, mit Johanna Wokalek, John Goodman, David Wenham, Anatole Taubman, Jördis Triebel u. a., 148 min, Kinostart: 22. Oktober 2009 bei Constantin

Foto: Verleih


www.die-paepstin.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
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www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
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