Away We Go - Auf nach irgendwo

Werdende Familie auf Nestsuche

Kinostart: 15.10.2009 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Verona (Maya Rudolph) und Burt (John Krasinski) sind schwanger. Man muss das so sagen, wenn zwei Menschen derart miteinander harmonieren und das Kind im Bauch sich schon darauf freuen darf, mit so perfekten Eltern aufzuwachsen. Sie sind humorvoll, ein bisschen alternativ, einfach ungeheuer liebenswert. Dazu passt auch eine völlig verrückte Idee der beiden: Um einen neuen Lebensmittelpunkt zu finden, den idealen Ort für den Nestbau, starten sie eine Reise zu Freunden und Verwandten in den ganzen USA. Na ja, sie sind eben noch ein wenig orientierungslos und suchen nach einem festen Halt.

Für so nette Menschen haben sie allerdings recht seltsame Bekannte. Die alte Freundin, die nie wirklich eine Freundin war, nervt mit ihrer hysterischen Fröhlichkeit. Die Spielgefährtin aus Kindertagen ist jetzt eine New-Age-Ideologin mit einer Phobie gegen Kinderwagen. Die Kommilitonen von einst scheinen ganz glücklich mit ihrer adoptierten Großfamilie, doch hinter der aufgeräumten Fassade verbirgt sich das nackte Elend. Jede Begegnung hat eigentlich nur den Zweck, unser Traumpaar noch mehr zusammenzuschweißen. Was so lange lustig ist, bis man den Trick merkt.
Ein Hang zur Selbstgefälligkeit gehört zum neueren amerikanischen Independent-Film; herrliche kleine Schrullen wie "Juno" oder "Little Miss Sunshine" waren nur geschickter darin, ihn zu verbergen. Regisseur Sam Mendes fehlt dieses Geschick, und ob er vom alternativen American Way of Life genug versteht, um sich darüber lustig zu machen, ist ebenfalls anzuzweifeln. Seit seinem Oscar-Erfolg "American Beauty" (1999) glaubt jeder zu wissen, wie es in amerikanischen Suburbs zugeht; in "Away we go - Auf nach irgendwo" erliegt der Brite endgültig den eigenen Vorurteilen. Die meisten Charaktere sind reine Karikatur. Wobei Maggie Gyllenhaal als durchgeknallte Esoterikerin noch immer amüsanter anzuschauen ist als das hoffnungslos normale Zweiergespann Verona und Burt. Allein den sympathischen Darstellern/innen ist es zu verdanken, dass dessen offensiv zur Schau gestellte Harmonie tatsächlich erst zum gefühlsbeladenen Schluss so richtig auf die Nerven geht. Aber eine Liebe, die sich von anderen abgrenzt, ist von außen nicht schön anzuschauen.
Philipp Bühler

(Away We Go) USA, Großbritannien 2009, Regie: Sam Mendes, Buch: Dave Eggers, Vendela Vida, mit John Krasinski, Maya Rudolph, Jeff Daniels, Maggie Gyllenhaal u.a., 98 min, Kinostart: 15. Oktober 2009 bei Tobis

Foto: Verleih


www.awaywego.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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