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Mit Tränen in den Augen winkt der elfjährige Lippel seinem Vater nach,
als dieser zu einer Geschäftsreise nach New York aufbricht. Nun muss
Lippel sehen, wie er eine Woche lang mit der Haushälterin Frau Jakob
auskommen kann, die auf ihn aufpassen soll. Frau Jakob ist extrem
pingelig, ekelt sich vor Dreck und Tieren, liebt Tomaten und hat zu
allem Überfluss auch schon mit Lippels Vater geflirtet. Ablenkung
findet Lippel in dem Buch mit den Erzählungen aus Tausendundeiner
Nacht, das ihm sein Vater geschenkt hat. Schnell hat ihn die
abenteuerliche Geschichte über einen verstoßenen Königssohn gepackt –
doch gerade, als es richtig spannend wird, verbietet ihm Frau Jakob das
Lesen und versteckt das Buch. Lippel ist wütend. In seinen Träumen aber
taucht er plötzlich in diese Geschichte ein, ja, wird selbst zu einer
der Hauptfiguren. Zu seiner Verwunderung trifft er viele bekannte
Gesichter wieder: Eine bösartige Tante sieht aus wie Frau Jakob, der
König wie sein Vater und die Kinder des Königs wie seine neuen
Klassenkameraden. Von nun an versucht Lippel, so oft wie möglich zu
schlafen, um im Traum der Tante und ihren Intrigen einen Strich durch
die Rechnung zu machen. Solch ein Selbstbewusstsein bräuchte er auch in
der Wirklichkeit, um Frau Jakob die Stirn zu bieten.
Die Zeiten haben sich geändert. Ist Lippel in der mittlerweile 25 Jahre
alten Romanvorlage von Paul Maar noch auf die Hilfe einer älteren
Freundin angewiesen, um Frau Jakob in die Schranken zu weisen, so darf
er in der Verfilmung nun selbst aktiv werden. In seinen Träumen kann er
seinen Mut und sein Geschick unter Beweis stellen und sich schon einmal
probeweise gegen eine Frau auflehnen, die ähnlich unangenehm ist wie
Frau Jakob. So ist sein Traum keine Flucht aus der Wirklichkeit,
sondern eine Bereicherung für seinen Alltag. Mit schönen Überblendungen
und Schnitten werden diese beiden Welten miteinander verbunden und
lassen das verregnete, mystische Passau und das überraschend raue
Morgenland ineinander fließen. Lars Büchel gelingt vor allem zu Beginn
eine stimmige, traumhaft-schwebende Atmosphäre. Nur gegen Ende hin
wandelt sich die Geschichte zu sehr ins Versöhnliche und ersetzt Magie
durch Slapstick.
Stefan Stiletto
Lippels Traum,
Deutschland 2009, Regie: Lars Büchel, Buch: Ulrich Limmer, Paul Maar
nach dem gleichnamigen Kinderroman von Paul Maar, mit Karl Alexander
Seidel, Anke Engelke, Moritz Bleibtreu, Uwe Ochsenknecht, Christiane
Paul u. a., 100 min, Kinostart: 8. Oktober 2009 bei Universum
Foto: Verleih
www.lippels-traum.deWebsite zum Film (deutsch)
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