Nacht für Nacht sitzt Wachmann Jara in seinem Kabuff und behält einen Supermarkt in Montevideo im Auge. Während seiner Schicht löst er Kreuzworträtsel, hört laut Heavy Metal und betrachtet auf dem Videomonitor das Treiben nach Ladenschluss: alberne Angestellte, die sich gegenseitig mit Waren bewerfen, oder Putzfrauen, die Kleinigkeiten mitgehen lassen, was er meistens übersieht. Jara (Horacio Camandule) ist kein Mann der Worte, sondern wirkt durch seine körperliche Präsenz, weshalb er am Wochenende als Rausschmeißer in einem Club arbeitet. Denn im Vergleich zu anderen ist er riesig groß und nichts scheint ihn aus der Ruhe bringen zu können.
Eines Tages taucht ein unbekanntes Gesicht auf dem Überwachungsbildschirm auf, das ihn sofort fasziniert. Es gehört der neuen Putzfrau Julia (Leonor Svarcas), die von nun an Mittelpunkt seines Interesses ist. Mit den Kameras observiert er sie auf Schritt und Tritt und folgt ihr auch nach Dienstschluss durch die Straßen, ins Internetcafé oder ins Kino. Sie anzusprechen, traut er sich aber nicht. Denn unter der ruppigen Schale versteckt sich eine zarte, kindliche Seele. Um seiner Angebeteten doch nahe zu sein, tut er eben, was er am besten kann: bewachen und beobachten. Dabei ist er kein Stalker, sondern eher ein schützender Schatten, der Julia vor allem Bösen bewahren will. So weist er auch den Taxifahrer mehr als nachdrücklich zurecht, der ihr gegenüber obszöne Bemerkungen macht. Als Julia aus dem Job entlassen wird, ist Jara fassungslos.
Unspektakulär und reduziert erzählt der Regisseur Adrián Biniez in seinem auf der diesjährigen Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichneten Regiedebüt "Gigante" von großen Gefühlen und so genannten kleinen Leuten. Der Film beschreibt mit sanfter Ironie und großer Zärtlichkeit die Lächerlichkeiten und Hindernisse, die Verliebten im Weg stehen können. Gesprochen wird nur das Notwendigste, die ruhig durchkomponierten Bilder erzählen genug, kein herkömmliches romantisches Gefühlskino also. Die Geschichte vom verliebten Riesen ist eher ein schön wortkarges, modernes Märchen mit ungewissem Ausgang. Aber trotzdem weiß man, dass alles gut wird.
Ingrid Beerbaum
Gigante, Uruguay, Argentinien, Deutschland, Spanien 2009, Buch & Regie: Adrián Biniez, mit Horacio Camandule, Leonor Svarcas, Néstor Guzzini, Federico García, Fabiana Charlo u. a., OmU und DF, 84 min, Kinostart: 1. Oktober 2009 bei Neue Visionen
Foto: Verleih
www.gigante-derfilm.deWebsite zum Film (deutsch)
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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