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The Age of Stupid

Mit dem Holzhammer

Kinostart: 22.9.2009 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Wir leben im Zeitalter der Dummheit. Sagt der altehrwürdige Schauspieler Pete Postlethwaite und hat vermutlich recht. Aber in der Zukunft ist man immer schlauer. Postlethwaite spielt den letzten Menschen auf Erden, man schreibt das Jahr 2055. London ist überflutet, Sydney verbrannt, der ganze Planet kaputt. "Wir hätten uns retten können. Warum haben wir es nicht getan?" Das ist die Frage, auf die der Brite auch keine Antwort hat. Was er hat, ist ein allwissender Computer, der uns in die Vergangenheit blicken lässt: In "The Age of Stupid" wird die Leinwand zum Touch-Screen. Mit bestürzter Miene tippt Postlethwaite – sein Furchengesicht hat ja tatsächlich Endzeit-Qualitäten – darauf herum und präsentiert wichtiges Doku-Material von heute als wertloses Wissen von morgen. Wir wussten Bescheid über Umweltverschmutzung und Klimakatastrophe, nun ist es zu spät.

Die düstere Zukunftsvision fungiert als Mantel für niederschmetternde Berichte aus den Krisenregionen der Welt: In den Alpen schmelzen die Gletscher, in Nigeria essen Menschen von Öl verseuchte Fische, verrückte Briten, die neben einer Rennstrecke leben, wehren sich gegen einen harmlosen Windpark, ein Inder will mit einer neuen Fluglinie das halbe Land aus dem Zug in die Luft bringen. Dazu erläutern kleine Zeichentrickfilme Zahlen und Zusammenhänge für alle, die Al Gore mit seinem Powerpoint-Spektakel "Eine unbequeme Wahrheit" (2006) noch nicht überzeugt hat.

Dass sich hinter der aufgemotzten Fassade recht gewöhnliche Fernsehreportagen verbergen, mag nicht weiter stören. (Tatsächlich ist Postlethwaites futuristischer Katastrophen-Bunker einem normalen Fernsehstudio nicht unähnlich.) Schwerer wiegt der Eindruck, hier werde Aufklärung mit dem Holzhammer betrieben. Die US-Regierung, noch immer personifiziert als George W. Bush, ist gelenkt vom Kapital und im Irak geht es doch tatsächlich nur ums Öl! Auch den komplexen Zusammenhang von CO2-Ausstoß und Erderwärmung hat Al Gore besser erklärt, vor allem seriöser. Immerhin: Der von Greenpeace unterstützte Film wurde besonders umweltfreundlich produziert, bei der in 60 Länder übertragenen Premiere gab Thom Yorke von Radiohead ein Live-Konzert. Vielleicht sind die Menschen von 2055 ja auch mal mächtig stolz auf uns.
Philipp Bühler

The Age of Stupid, Dokumentarfilm, Großbritannien 2009, Buch & Regie: Franny Armstrong, mit Pete Postlethwaite, Alvin DuVernay, Piers Guy, Layefa Malini, Jeh Wadia u. a., OmU, 92 min, Kinostart: 22. September 2009 bei Spanner Films

Foto: Verleih


www.ageofstupid.net
Website zum Film (englisch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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