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Das Bild, das man sich heute von Hildegard von Bingen macht, ist geradezu mystisch verklärt. Die Heilkundige, Komponistin und Seherin konnte sich im Mittelalter in einer patriarchalischen Umwelt durch Klugheit und Gewandtheit durchsetzen – eine nach heutigen Maßstäben moderne Frau, die ein langes, ereignisreiches Leben führte.
Bei diesem Bild bleibt auch die mit Filmbiografien starker Frauen bestens vertraute Regisseurin Margarethe von Trotta ("Rosa Luxemburg", 1986) und inszeniert Hildegard (Barbara Sukowa) als unbeirrte Kämpferin. Bereits mit acht Jahren kommt das Mädchen aus adeligem Hause ins Benediktinerkloster Disibodenberg, einem Ort strengster Disziplin. Ihre Lehrmeisterin wird die Nonne Jutta von Sponheim, die bald die besondere Musikalität des Mädchens erkennt und fördert, ihm aber auch ihr gesamtes Heilkräuterwissen weitergibt. Hildegard wird später ihre Nachfolgerin als Äbtissin und vervollkommnet ihre Bildung auch auf anderen Gebieten. Ihre Neugier und Tatkraft stößt jedoch häufig auf männliche Gegenwehr. Und als Hildegard ihrem Vertrauten Mönch Volmar (Heino Ferch) gesteht, sie habe göttliche Visionen, bringt das neue Probleme mit sich. Denn eine Frau durfte dem Allmächtigen nicht näher sein als die männlichen Kleriker. Schließlich werden ihre Visionen von höchster Stelle anerkannt und aufgeschrieben, wobei ihr ihre Lieblingsschülerin Richardis von Stade (Hannah Herzsprung) hilft. Doch als diese abberufen wird, stürzt Hildegard in eine tiefe Krise, einer von vielen, denen sie mit einer Art krankhafter Erstarrung begegnet. Später wird sie das Frauenkloster Rupertsberg gründen und viele Predigtreisen bis zu ihrem Tod mit 81 Jahren unternehmen.
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