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Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen

Eine moderne Frau

Kinostart: 24.9.2009 | Ingrid Beerbaum | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Das Bild, das man sich heute von Hildegard von Bingen macht, ist geradezu mystisch verklärt. Die Heilkundige, Komponistin und Seherin konnte sich im Mittelalter in einer patriarchalischen Umwelt durch Klugheit und Gewandtheit durchsetzen – eine nach heutigen Maßstäben moderne Frau, die ein langes, ereignisreiches Leben führte.

Bei diesem Bild bleibt auch die mit Filmbiografien starker Frauen bestens vertraute Regisseurin Margarethe von Trotta ("Rosa Luxemburg", 1986) und inszeniert Hildegard (Barbara Sukowa) als unbeirrte Kämpferin. Bereits mit acht Jahren kommt das Mädchen aus adeligem Hause ins Benediktinerkloster Disibodenberg, einem Ort strengster Disziplin. Ihre Lehrmeisterin wird die Nonne Jutta von Sponheim, die bald die besondere Musikalität des Mädchens erkennt und fördert, ihm aber auch ihr gesamtes Heilkräuterwissen weitergibt. Hildegard wird später ihre Nachfolgerin als Äbtissin und vervollkommnet ihre Bildung auch auf anderen Gebieten. Ihre Neugier und Tatkraft stößt jedoch häufig auf männliche Gegenwehr. Und als Hildegard ihrem Vertrauten Mönch Volmar (Heino Ferch) gesteht, sie habe göttliche Visionen, bringt das neue Probleme mit sich. Denn eine Frau durfte dem Allmächtigen nicht näher sein als die männlichen Kleriker. Schließlich werden ihre Visionen von höchster Stelle anerkannt und aufgeschrieben, wobei ihr ihre Lieblingsschülerin Richardis von Stade (Hannah Herzsprung) hilft. Doch als diese abberufen wird, stürzt Hildegard in eine tiefe Krise, einer von vielen, denen sie mit einer Art krankhafter Erstarrung begegnet. Später wird sie das Frauenkloster Rupertsberg gründen und viele Predigtreisen bis zu ihrem Tod mit 81 Jahren unternehmen. 

Es hätte ein spannender Film werden können über Frauen, das Mittelalter und die Macht der Kirche. Von Trotta zeigt aber immer nur die tapfere, strahlende Frau in Nonnentracht. Zu sehr beschränkt sich die Handlung auf die persönlichen Beziehungen und Antriebe der Hauptfigur und ist dadurch ziemlich langatmig. Wichtige Lebensstationen wie etwa die Visionen oder die Klostergründung werden abgearbeitet, wodurch in der ansonsten linearen Handlung teilweise jahrzehntelange, verwirrende Lücken klaffen. Dass man nicht gänzlich die Lust am Zuschauen verliert, liegt vor allem an der Hauptdarstellerin Barbara Sukowa, die ihrer Figur Verve, aber auch innere Zerrissenheit gibt, und der zurückhaltenden Bildgestaltung von Axel Block. Alle anderen Schauspieler/innen der hochkarätigen Besetzung bleiben dagegen eher blass. So wirkt der Film insgesamt thesenhaft und teilweise sogar didaktisch. Das hat die alte Dame nicht verdient.
Ingrid Beerbaum

Vision - Aus dem Leben der Hildegard von Bingen, Deutschland 2009, Buch & Regie: Margarethe von Trotta, mit Barbara Sukowa, Heino Ferch, Hannah Herzsprung, Alexander Held, Lena Stolze u.a., 111 min, Kinostart: 24. September 2009 bei Concorde

Foto: Verleih


www.vision-derfilm.de
Website zum Film (deutsch)
www.filmportal.de
Infos zum Film auf filmportal.de
www.imdb.de

Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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