Ashes of Time: Redux

Die Unmöglichkeit der Liebe

Kinostart: 17.9.2009 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken
Um die Handlung von "Ashes of Time" schlüssig wiederzugeben, müsste man den Film vermutlich 14 Jahre lang immer wieder gesehen haben. Man müsste also Wong Kar-Wai sein, der nun mit einer überarbeiteten Version seines rätselhaften Frühwerks von 1994 aufwartet. Es geht darin um einen chinesischen Schwertkämpfer, der in der Wüste ein Wirtshaus betreibt, wo er Anlaufstelle für Auftragsmorde ist. Ein Freund kommt vorbei und trinkt vom "Schnaps des Vergessens" (vielleicht hat er schon früher davon getrunken, er kann sich aber nicht mehr erinnern). Ein weiterer Kämpfer, dessen Schwester der Freund heiraten sollte, will dessen Tod. Allerdings, stellt sich heraus, sind Bruder und Schwester ein und dieselbe Person. Vermutlich Letztere bedroht den Killer gleichzeitig mit dem Tod, sollte er den Auftrag annehmen. Außerdem treten auf: eine Horde von Pferdedieben, ein im Kampf mit ihnen erblindender Kämpfer sowie eine unbesiegbare Schwertkämpferin, die nur noch kämpft, um endlich einmal zu verlieren.
Zur allgemeinen Verwirrung ist "Ashes of Time" ein Martial-Arts-Film, in dem letztlich sehr wenig gekämpft wird. Im traditionellen Gewand des chinesischen Ritterfilms behandelt Regisseur Wong Kar-Wai vielmehr das Thema der Liebe, wie man es auch aus seinem späteren Meisterwerk "In the Mood for Love" (2000) kennt: Die nie ausgesprochene und fast immer ungleichzeitige Liebe ist noch schlimmer als erfahrene Zurückweisung, ihre schmerzhafte Erinnerung die stabile Grundlage für die weitere Unfähigkeit zu lieben bis zum einsamen Tod. Die Unfähigkeit zu vergessen wiederum bebildert Wong durch eine völlig undurchsichtige Rückblendenstruktur, Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen in einer Art Trance. Dieser Rausch der Bilder ist zutiefst allegorisch, höchst prätentiös und natürlich ganz große Kunst.

Die Redux-Version von "Ashes of Time" erschöpft sich vor allem in einer visuellen Nachbearbeitung der prächtigen Bilder. Wong Kar-Wai ging es darum, ein vergessenes Dokument des Hongkong-Kinos – besetzt mit heutigen Weltstars wie Tony Leung Chiu Wai und Maggie Cheung – aus der Versenkung zu holen. Minderwertige Kopien des Films waren über die ganze Welt verstreut, sozusagen bedeckt von der Asche der Zeit.
Philipp Bühler

(Dung che sai duk) Hongkong, China, Taiwan 1994/2008, Regie: Wong Kar-Wai, Buch: Louis Cha, Wong Kar-wai, mit Leslie Cheung, Brigitte Lin, Maggie Cheung, Tony Leung Chiu Wai u. a., 94 min, Kinostart: 17. September 2009 bei Splendid

Foto: Verleih



www.ashesoftime-derfilm.de
Website zum Film (deutsch)
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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