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Schüsse in den Hinterkopf, Leichen auf einem Lastwagen, Blutlachen auf Beton: Seltsam emotionslose, dokumentarisch wirkende, ja fast bürokratische Bilder hat Andrzej Wajda für "Das Massaker von Katyn" gefunden. Vielleicht deshalb, weil das Unfassbare noch heute in Polen Anlass zu Debatten liefert, die historischen Tatsachen umstritten sind und zudem die politischen Beziehungen zum großen Nachbarn Russland belasten.
Im April 1940, Stalin und Hitler hatten Polen friedlich unter sich aufgeteilt, wurden mindestens 22.000 polnische Kriegsgefangene in der Nähe von Smolensk von den russischen Besatzern ermordet und verscharrt. Als die deutsche Wehrmacht nach Osten zog, hoben die Nazis die Leichen aus den Massengräbern und nutzten das Verbrechen propagandistisch. Dann eroberten wieder die Sowjets das Gebiet und drehten die Geschichte um. Das Massaker von Katyn steht exemplarisch für die Leidensgeschichte Polens, zerrieben zwischen den mächtigen Nachbarn Russland und Deutschland.
Der polnische Regie-Altmeister Wajda, dessen Vater eines der Opfer von Katyn war, will nun aufräumen mit der 50 Jahre währenden Geschichtsverfälschung und widmet sich dem immer noch andauernden polnischen Trauma. Bis heute soll die Hälfte aller Polen/innen nicht sicher sein, wer für das Massaker verantwortlich ist, und erst Anfang dieses Jahres lehnte die russische Justiz wieder einmal die Aufarbeitung ab. Wajda erzählt die Geschichte des Massenmordes und die anschließende Propagandaschlacht als Mosaik aus verschiedenen, prototypischen Einzelschicksalen. Doch das bisweilen hölzerne, immer mal wieder arg pathetische Lehrstück mit nationalistischen Untertönen ist nur schwer mit herkömmlichen Kriterien zu beurteilen. Denn Wajda hat eigentlich gar keinen Film gedreht, sondern eine historische Mission von nationaler Bedeutung erfüllt.
Thomas Winkler
(Katyn) Polen 2007, Regie: Andrzej Wajda, Buch: Przemyslaw Nowakowski, Wladyslaw Pasikowski, Andrzej Wajda, mit Maja Ostaszewska, Artur Zmijewski, Andrzej Chyra, Jan Englert, Danuta Stenka u. a., ab 16, 121 min, Kinostart: 17. September 2009 bei panadstorm
Foto: Verleih
www.postmortem.netino.plWebsite zum Film (polnisch, englisch)
www.pandastorm.comMehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.deInfos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.deMehr Artikel zum Film
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