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Die Strände von Agnès

Erinnerungen einer kleinen, alten Dame

Kinostart: 10.9.2009 | Philipp Bühler | Kommentar schreiben | Artikel drucken

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Wenn eine "kleine alte Dame" ihr Leben rekapituliert, kann das schon mal schrullig ausfallen. "Die Strände von Agnès" ist über weite Strecken sehr komisch, aber das mit der kleinen alten Dame ist eher eine Pose. In Wirklichkeit macht Agnès Varda ihre collageartigen Filme noch immer wie das freche junge Mädchen, das seinerzeit die Nouvelle Vague inspirierte. An den Stränden ihrer belgischen Kindheit stellt sie Spiegel in den Sand und zeigt darin – nein, nicht sich, sondern die jungen Filmassistenten. Mit einem Pappauto fährt sie durch den Pariser Hinterhof, der vielen ihrer Filme als Hintergrund diente und in dem sie zufällig wohnt. Ein alter Freund stellt ihr bohrende Fragen in Gestalt eines Papierkaters. Wie in einer gewöhnlichen Autobiografie sieht man auch Filmausschnitte und Privataufnahmen. Aber die heute 81-jährige Französin ist weniger interessiert an den Bildern als an der Beziehung, die sie noch dazu hat. Sie will Erinnerung sichtbar machen.

Dieser verspielt-literarische Zugang unterscheidet Varda von bekannteren Filmemachern der Nouvelle Vague wie François Truffaut oder Jean-Luc Godard (den sie als einzige ohne Brille fotografieren durfte). Eigentlich zählt sie auch eher zur Bewegung des Rive Gauche, die mit Experimental- und Essayfilmen eine neue Sprache des Kinos etablieren wollte. Die Herausgabe ihres Werks weist sträfliche Lücken auf, aber zumindest "Cleo von 5 bis 7" (1962) sollte man gesehen haben: Ein nach eigener Überzeugung unheilbar an Krebs erkranktes Fotomodel reflektiert auf einem letzten Spaziergang durch Paris über die Vergänglichkeit von Leben und Schönheit.

An denselben essayistischen Techniken – Voice-Over und avantgardistischer Schnitt – hält die gelernte Fotografin bis heute fest. So erinnert sie sich, meistens an Ort und Stelle, noch einmal an ihre Ausbildung in Paris, feministische Aktionen, Begegnungen mit den US-amerikanischen Black Panthers und vor allem die Zeit mit ihrem 1990 verstorbenen Film- und Lebenspartner Jaques Demy. Agnès Varda erfreut sich zum Glück noch immer bester Gesundheit und lädt nun zu ihren höchst originellen Memoiren ins Kino. Solange man sich erinnert, so ihr Fazit, ist man am Leben.
Philipp Bühler

(Les Plages d'Agnès) Dokumentarfilm, Frankreich 2008, Buch & Regie: Agnès Varda, mit Agnès Varda, André Lubrano, Blaise Fournier, Vincent Fournier, Andrée Vilar u. a. , OmU, 108 min, Kinostart: 10. September 2009 bei Film Kino Text

Foto: Verleih


www.filmkinotext.de
Mehr über den Film auf der Website des deutschen Verleihs
www.imdb.de
Infos zum Film in der Internet Movie Database
www.filmz.de
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